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Auf einen Espresso mit ...

Cyrus de la Rubia zum Risiko eines Ansturms auf griechische Banken

05.02.2015

Die Europäische Zentralbank hat die Daumenschrauben für Griechenland kräftig angezogen, meint der Chefvolkswirt der HSH Nordbank.

Cyrus de la Rubia, Chefvolkswirt der HSH Nordbank, bei einem Espresso.

Cyrus de la Rubia, Chefvolkswirt der HSH Nordbank (Foto: HSH Nordbank)

Ab dem 11. Februar akzeptiert die Europäische Zentralbank (EZB) griechische Staatsanleihen nicht mehr als Sicherheit für die Refinanzierung. Ist das Land damit von Liquidität abgeschnitten?  
Cyrus de la Rubia: Nein, das ist nicht der Fall. Die griechischen Banken können sich über das Emergency Liquidity Assistance-Notprogramm, kurz ELA genannt, bei der griechischen Notenbank mit Liquidität versorgen.

Dann ist die Aktion der EZB ja wirkungslos.
Cyrus de la Rubia: Das kann man nicht sagen. Zum einen ist die Refinanzierung über die griechische Nationalbank etwas teurer als über die EZB, statt 0,05 Prozent liegt der Zinssatz bei über einem Prozent. Zum anderen trägt nun die griechische Nationalbank das Risiko und nicht mehr die EZB und über sie die Euro-Mitgliedsländer. Man darf nicht unterschätzen, dass die EZB durch die Ankündigung gegenüber Griechenland die Daumenschrauben anzieht und ein klares Signal an die Politiker in Athen sendet: Wenn ihr euch nicht an die Spielregeln haltet, die für euch als Euro-Programmland gelten, dann stellen wir euch kein Geld mehr zu Verfügung. Schließlich kann die EZB das ELA-Notprogramm jederzeit stoppen.

Was würde dann passieren? 
Cyrus de la Rubia: Dann würde den griechischen Banken das Geld ausgehen, denn auf den Kapitalmärkten bekommen sie wohl nichts mehr. Bevor es soweit ist, würde der Staat aber wohl harte Kapitalverkehrsbeschränkungen einführen. Andere Länder mit Zahlungsschwierigkeiten haben das auch gemacht, Dann dürfen pro Monat nur noch kleine Beträge abgehoben und ins Ausland transferiert werden. Aber ohne ELA und ohne EZB-Geld wäre Griechenland bald zahlungsunfähig und würde de facto den Euro verlassen.

Trotz der EZB-Ankündigung zu Griechenland hat der Euro zuletzt nicht an Wert verloren. Spielen griechische Krisenszenarien auf den Kapitalmärkten keine Rolle mehr?
Cyrus de la Rubia: Die meisten Marktteilnehmer gehen davon aus, dass es nicht zum Äußersten kommt. Zudem haben wohl die Nationalbanken aus der Schweiz und Dänemark den Euro durch Käufe gestützt.

Geraten europäische Banken in Schieflage, wenn Griechenland zahlungsunfähig wird?  
Cyrus de la Rubia: Die meisten griechischen Staatsanleihen bzw. Darlehen werden mittlerweile von öffentliche Institutionen gehalten, dazu kommen noch ein paar Hedgefonds. Das, was die Banken noch haben, bewegt sich in einer unproblematischen Größenordnung.

Also geht von einer Zahlungsunfähigkeit Griechenlands keine Gefahr für den Finanzsektor aus.  
Cyrus de la Rubia: So würde ich es nicht sagen. Es ist unklar, wie die Menschen in anderen Ländern reagieren, wenn es in Griechenland zu einem Ansturm auf die Banken kommen sollte. Die institutionellen Voraussetzungen heute sind wesentlich besser als früher, um eine Panik am Bankenmarkt einzudämmen. Aber in Sicherheit sollte man sich dennoch nicht wiegen.