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13.01.2015

Steigende Kurse, aber auch große Schwankungen – Torsten Heick und Oliver Neckel, die beiden führenden Köpfe des Wealth Managements der HSH Nordbank, ziehen eine Bilanz des Börsenjahres 2014 und geben einen Ausblick auf das Geschehen an den Kapitalmärkten im laufenden Jahr.   

Torsten Heick, HSH Nordbank, Wealth Management.

Torsten Heick, HSH Nordbank, Wealth Management.

Das Börsenjahr 2014 war von einem Seitwärtstrend gekennzeichnet, unterbrochen von erheblichen Schwankungen. Herr Heick, wie bewerten sie das vergangene Jahr?  
Torsten Heick: 2014 ist ein gutes Beispiel dafür, was passiert, wenn die überbordende Liquiditätsversorgung eines Tages reduziert wird. Als im vergangenen Oktober die Sorge aufkam, die Zentralbanken könnten die Liquidität etwas beschränken, führte das an den Börsen sofort zu erheblichen Kursverlusten, der Dax brach um über 1000 Punkte ein. Daran sieht man, was den Kapitalmarkt derzeit antreibt: das Verhalten der Zentralbanken aus den USA, aus Europa und Asien. Das wird 2015 genauso sein.  

Die südeuropäischen Länder haben wirtschaftliche Schwierigkeiten, Japan ebenfalls, die Aussichten für die deutsche Wirtschaft sind gemischt. An den Börsen spiegelt sich das kaum wider. Welche Rolle spielt die konjunkturelle Lage für die Börsen?
Torsten Heick: Derzeit jedenfalls keine entscheidende. Der Rücksetzer im Herbst war vorbei, als der Präsident der Europäischen Zentralbank (EZB), Mario Draghi, betonte, dass die EZB weiter Papiere aufkaufen und damit weiter Liquidität in den Markt geben wird.

Aber müssen die Zentralbanken den Märkten nicht langsam wieder Liquidität entziehen, um Blasen zu verhindern? 
Torsten Heick: Im Prinzip schon, genau das wird die Herausforderung sein. Die Entgiftung muss in homöopathischen Dosen erfolgen. Das geht nicht in einem Ruck, das würde zu Irritationen an den Märkten führen. Die Zentralbanken beobachten, ob sich die Konjunktur erholt. Wenn das der Fall ist, könnten sie beginnen, etwas Liquidität zu entziehen – aber in dieser Situation sind wir noch nicht.

Oliver Neckel, HSH Nordbank, Wealth Management.

Oliver Neckel, HSH Nordbank, Wealth Management.

Keine Zinsen auf dem Sparbuch, kaum Renditen bei Anleihen – ist ein Engagement in Aktien die einzige Alternative?
Oliver Neckel: Nein, ein Investment in Aktien ist nicht die einzige Möglichkeit. Alles auf eine Karte zu setzen, ist sowieso nicht sinnvoll. Extreme sollte man bei der Geldanlage vermeiden. Aber die Aktie gehört in jede Anlagestrategie. Es geht nicht darum, Risiken zu meiden, sondern Risiken zu managen. Wobei die Realität anders aussieht: Nur 13 bis 15 Prozent der Deutschen besitzen Aktien.

Wie hoch sollte der Aktienanteil sein?
Oliver Neckel: Ich halte aber eine Beimischung von 30 Prozent Aktien in einem Portfolio für sinnvoll. Eine Quote in dieser Größenordnung nutzen viele Anleger, auch Stiftungen. Dabei profitiert man von gut laufenden Aktienmärkten, begrenzt aber das Rückschlagrisiko, das bei Aktien immer besteht.

Raten Sie Kunden trotz der niedrigen Renditen, auch Anleihen zu kaufen?
Oliver Neckel: Viele unserer Kunden sind konservativ, da sind Anleihen natürlich ein Thema. Eine Bundesanleihe bringt über zehn Jahre noch etwa ein halbes Prozent, das ist natürlich dürftig. Insgesamt kommt es auf die Mischung an, zwischen verschiedenen Anleihearten und Aktien.

Gibt es noch andere sinnvolle Möglichkeiten, derzeit Geld anzulegen?
Torsten Heick: Viele unserer Kunden setzen sich mit Immobilien auseinander, gerade in den Ballungszentren. In Hamburg werden aber mittlerweile Preise akzeptiert, die ich noch vor ein oder zwei Jahren für utopisch gehalten habe. Bei den alternativen Sachanlagen wie Edelmetallen ist der Schwung vorerst raus, weil wir keine Inflationserwartung haben. Ein klarer Trend ist, dass viele Anleger Kredite zurückzahlen. Es werden auch viele Vermögen vorzeitig vererbt.  

Wie sind Ihre Erwartungen für 2015?
Oliver Neckel: Wir sehen den Dax Ende 2015 etwa bei 10100 Punkten. Aber es ist durchaus möglich, dass es besser läuft. Allerdings rechne ich damit, dass es bei den Aktien eine recht große Volatilität geben wird. Anleger werden also gute Nerven brauchen. Es dürfte sich aber lohnen, dabei zu bleiben, denn langfristig gehe ich von einem weiteren Aufschwung aus. Viele deutsche Unternehmen sind international gut positioniert und bieten eine attraktive Dividendenrendite.  

Lösen Aktien, die eine Dividendenrendite von vier oder fünf Prozent bieten, Anleihen als Renditevehikel ab?
Oliver Neckel: Ablösen würde ich nicht sagen, dafür ist die Aktienquote in Deutschland zu niedrig. Aber an dem Instrument Aktie wird man 2015 nicht vorbeikommen – auch wegen der Dividenden.