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Auf einen Espresso mit ...
22.01.2015

Der Chefvolkswirt der HSH Nordbank nimmt Stellung zur heutigen Entscheidung der Europäischen Zentralbank (EZB), Staatsanleihen in Höhe von 60 Milliarden Euro im Monat zu kaufen.

Cyrus de la Rubia, Chefvolkswirt der HSH Nordbank, bei einem Espresso.

Cyrus de la Rubia, Chefvolkswirt der HSH Nordbank (Foto: HSH Nordbank)

Die Europäische Zentralbank (EZB) wird bis September 2016 monatlich für 60 Milliarden Euro öffentliche und private Anleihen kaufen. Ist das die richtige Medizin, um die schwächelnde Wirtschaft in der Eurozone anzukurbeln?
Dr. Cyrus de la Rubia: Das möchte ich bezweifeln, zumindest auf mittlere und lange Sicht. Zwar wird das Programm den Euro schwächen und damit der europäischen Exportwirtschaft helfen. Aber das nutzt vor allem Deutschland, dem bei weitem stärksten Exportland im Euroraum. Andere Länder, die Hilfe viel nötiger hätten, exportieren nicht besonders viel außerhalb Europas. Ich befürchte vielmehr, dass durch die zusätzliche Liquidität in Ländern wie Italien oder Frankreich längst notwendige Reformen weiter verschleppt werden.

Die Liquidität sorgt dafür, dass sich Unternehmen günstig finanzieren können. Wirkt das nicht wie ein Konjunkturprogramm?
Dr. Cyrus de la Rubia: Die Zinsen sind bereits historisch niedrig. Derzeit verzichten Firmen nicht auf Investitionen, weil die Zinsen zu hoch sind.

Sondern?
Dr. Cyrus de la Rubia: Ein Grund für die Zurückhaltung sind unsichere wirtschaftliche Aussichten. In einigen Euro-Ländern gibt es große bürokratische Hürden, der Arbeitsmarkt ist verkrustet. Diese strukturellen Defizite sind die wahren Probleme. Die müssen gelöst werden. Die Geldpolitik kann nicht die Versäumnisse einer schlechten Wirtschaftspolitik ausgleichen. Aber – vielleicht ist das ja auch ein Gedanke – sie hilft schwachen Euroländern bei der Staatsfinanzierung. 

Wie hoch ist die Gefahr einer Blasenbildung durch die weitere Liquiditätsschwemme?
Dr. Cyrus de la Rubia: Wenn man den Euroraum insgesamt betrachtet, gibt es beispielsweise im Immobilienmarkt keine überdurchschnittlich hohen Preissteigerungen. Das liegt aber auch daran, dass die Häuser in Spanien immer noch an Wert verlieren. In einigen Kapitalmarktsegmenten, wie beispielsweise den Anleihen von Unternehmen schwacher Bonität, ist aber Vorsicht angebracht. Und der Internationale Währungsfonds (IWF) hat zuletzt vor Übertreibungen auf dem US-amerikanischen Kapitalmarkt gewarnt.

Wenn die EZB die Anleiheankäufe abgeschlossen hat, wie kommt die EZB aus dem Programm wieder raus?
Dr. Cyrus de la Rubia: Sie kann einfach warten bis die Anleihen auslaufen, diese dann einlösen und das Geld vom Markt nehmen – dann bleibt die Liquidität aber viele Jahre im Umlauf. Oder sie verkauft die Anleihen früher und riskiert einen Zinsanstieg. Beide Varianten bergen große Risiken.