SUCHE

Finanzierung
06.10.2014

Bislang deckten Kliniken und Klinikbetreiber ihren Kapitalbedarf vor allem über Bankdarlehen. Das niedrige Zinsumfeld eröffnet der Finanzierung nun neue Wege.

Neubau eines Krankenhauses: Immer mehr Lebensversicherer und Pensionsfonds steigen in Infrastrukturprojekte wie den Bau von Krankenhäusern ein. (Foto: picture alliance/APA/picturedesk.com)

Frisches Geld für die Gesundheitsbranche kommt zunehmend von institutionellen Investoren. Insbesondere Pensionsfonds und Versicherungen sind im Jahr 2014 auf dem Markt aktiv. Sie erhoffen sich von ihrem Engagement verlässliche Renditen. Marcus Humfeldt, Leiter des Bereichs Healthcare M&A bei der HSH Nordbank, kennt das Phänomen: „Heutzutage treten verstärkt Lebensversicherer und Pensionsfonds als Finanzierungspartner auf. Die sind auch an der Gesundheitswirtschaft sehr interessiert“, sagt er. Der Vorteil für die Kreditnehmer: Die großen Investoren bieten Geld zu Konditionen an, die teilweise attraktiver sind als jene von Banken. „Deshalb stellen die neuen Akteure auch eine gewisse Konkurrenz zu den Banken dar“, sagt Humfeldt. Er spüre aber gleichzeitig eine gewisse Zurückhaltung gegenüber den neuen Investoren, weil nicht klar sei, wie sich die neuen Akteure in einer Krise verhalten. „Mit Banken, die teilweise seit Jahrzehnten in der Krankenhausfinanzierung tätig sind, ist dagegen über die Zeit ein belastbares Vertrauensverhältnis aufgebaut worden“, sagt er. 

Stabile Renditen gefordert

Lebensversicherer und Pensionsfonds müssen für ihre Versicherten regelmäßig große Summen anlegen. Die Branche ist darauf angewiesen, langfristig stabile Renditen zu erwirtschaften. In Zeiten eines normalen Zinsumfelds gelang den Unternehmen das mit Investments in klassische Staatsanleihen. Die boten zwar keine spektakulären, aber stabile und auskömmliche Renditen. Im Zuge der Finanzmarktkrise fielen die Zinsen seit dem Jahr 2008 für Staatsanleihen stark. Seitdem fließt das Geld von Lebensversicherungen und Pensionsfonds verstärkt in andere Finanzprodukte. Sie haben zum Beispiel die Finanzierung von langfristigen Infrastrukturprojekten für sich entdeckt – etwa im Straßenbau. Auch die Finanzierung von Krankenhäusern kann sich für Versicherungsunternehmen lohnen. Denn Kliniken gelten durch ihren staatlichen Versorgungsauftrag und ein festgelegtes Vergütungssystem als vergleichsweise verlässliche Schuldner.

Dabei agieren die Investoren auf unterschiedlichen Wegen, nicht immer fließt das Geld direkt an die Kreditnehmer. Häufig wird es zum Beispiel über so genannte Debt Fonds angelegt. Sie managen das Geld großer institutioneller Investoren und streuen deren Risiko. Auch für die Kreditnehmer sind Debt Fonds attraktiv. Denn sie bieten häufig viele verschiedene Finanzierungsmodelle an. So variiert das Kapital, das ein Debt Fonds vergibt, in Fristigkeit, Zinssatz und Haftung stark. Auch sichern sich die Fonds über Covenants – Vertragsklauseln, die den Gläubiger schützen – teilweise die Möglichkeit, in das kreditnehmende Unternehmen einzusteigen: Etwa, wenn es einen Kredit zum Ende der Laufzeit nicht wie vereinbart tilgen kann.

Krankenhäuser müssen Investitionsstau auflösen

Für Krankenhäuser ist das ideal. Ihr Investitionsbedarf ist nicht nur von Fall zu Fall verschieden, sondern auch besonders groß.  Eine Entwicklung, die Experten wie Markus Rosenbaum, der sich bei der HSH Nordbank mit Finanzierungsfragen für die Gesundheitswirtschaft befasst, mit Sorge beobachten: „Insgesamt ist bei den Krankenhäusern in Deutschland ein Investitionsstau von mehr als 50 Milliarden Euro aufgelaufen“, sagt er. Der Markt sei davon gekennzeichnet, dass die Förderung der Krankenhäuser durch die Bundesländer in den vergangenen zehn Jahren um mehr als 20 Prozent zurückgegangen ist. „Das führt dazu, dass selbst zwingend notwendige Investitionen nicht vorgenommen worden sind“, sagt er.

Neue Finanzierungsmöglichkeiten für Kliniken

Markus Humfeldt begrüßt deshalb die Angebote der Pensionsfonds und Lebensversicherer: „Unterm Strich kann man sagen, dass sich durch die neuen Investoren zusätzliche Finanzierungsmöglichkeiten für die Kliniken ergeben“, sagt er. Das hieße aber nicht, dass das immer einfache Lösungen seien.

Nach oben