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Pro und Contra
15.08.2014

Die abschlagsfreie Rente mit 63 Jahren kann nicht nur für Arbeitnehmer von Vorteil sein. Auch Unternehmen können das Rentenpaket nutzen. Ein Überblick zu den Auswirkungen der Rentenreform in Deutschland.

Senioren können mit ihren Hobbys dank der Rente mit 63 künftig früher durchstarten – wie hier beim Wettkampf in der Leichtathletik. (Foto: picture alliance / dpa)

Das Rentenpaket der schwarz-roten Bundesregierung ist seit dem 1. Juli 2014 in Kraft: Wer 45 Jahre lang in die deutsche Rentenkasse eingezahlt hat, kann fortan ohne Abschlag bis zu zwei Jahre früher in Pension gehen. Das hat Folgen für Arbeitnehmer, aber auch für mittelständische Unternehmen und die gesamte Wirtschaft. Zugleich ist es die erste Rentenreform seit Jahrzehnten, die Leistungen ausbaut und nicht nur kürzt. Was aus Unternehmersicht für beziehungsweise gegen die Rente mit 63 spricht:

Rentenpaket

Weitere Informationen liefert die Website der Bundesregierung zum Rentenpaket. Der Renteneintrittsrechner hilft dabei, das eigene Eintrittsalter zu ermitteln:

www.rentenpaket.de/rp/DE/Service/Rechner-zur-Rente-ab-63/rechner-zur-rente-ab-63.html

Dafür

  • Bei den Unternehmen setzt eine Verjüngungskur ein, da die in Rente
    gehenden Arbeitnehmer durch jüngere ersetzt werden.
  • Daraus resultieren sinkende Lohnkosten, denn jüngere und unerfahrene Erwerbstätige sind in der Regel günstiger als Ältere mit mehr Erfahrung.
  • Die Abschläge bei der Frühverrentung für die Arbeitnehmer entfallen, wenn sie 45 Beitragsjahre erreicht haben. Als Beitragsjahre anerkannt werden dabei auch Wehrdienst, Zeiten mit Arbeitslosengeld I, Kindererziehung (bis zum 10. Lebensjahr), Kurzarbeiter- oder Insolvenzgeld.
  • Durch die Reform entwickelt sich die deutsche Rente von einem Modell mit festem Eintrittsalter hin zu einem Modell mit größerer Flexibilität. Erwerbstätigen ermöglicht es, ihr Leben freier zu gestalten.

Dagegen

  • In den Genuss der Rente mit 63 kommen nur diejenigen, die 1952 oder früher geboren wurden. Für die Jahrgänge 1953 bis 1963 gibt es zweimonatige Abstufungen. Wer nach 1963 geboren wurde, kann frühestens mit 65 Jahren in Rente gehen.
  • Die Erhöhungen werden die aktuellen Reserven in der Rentenkasse in wenigen Jahren aufbrauchen. Dann wird es in Deutschland mehr Rentner als Einzahler geben. Die Konsequenz: Die Rentenbeiträge werden steigen, sowohl für Arbeitnehmer als auch für Arbeitgeber.
  • Die betriebliche Altersvorsorge wird für Unternehmen künftig teurer werden, denn Erwerbstätige werden sie früher in Anspruch nehmen.
  • Erfahrene und hoch qualifizierte Mitarbeiter verlassen das Unternehmen früher und lassen sich nicht so schnell ersetzen. Es droht der Verlust von dringend benötigten Fachkräften. Dies kann gerade bei kleineren Unternehmen zu einem Personalengpass führen, wenn am Arbeitsmarkt kein passender Ersatz zu finden ist. Die ohnehin knapp bemessene Zeit, um Wissen von einem auf den nächsten Mitarbeiter zu transferieren, verkürzt sich weiter.
  • Die Rente mit 63 wird vor allem dem produzierenden Gewerbe schaden, Dienstleistungsbranchen werden davon weniger betroffen sein.
  • Die Zeit der schulischen Ausbildung sowie der Bezug von Arbeitslosenhilfe oder Arbeitslosengeld II werden nicht anerkannt.
  • Der Grundgedanke der Reform ignoriert den Tatbestand der alternden Gesellschaft und den demografischen Wandel: Als die Rente mit 65 vor über 100 Jahren eingeführt wurde, war die durchschnittliche Lebenserwartung deutlich niedriger als heute. Die Einführung der Rente mit 67 hat diese Entwicklung berücksichtigt – die jüngste Rentenreform geht nun in die entgegengesetzte Richtung.