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29.07.2014

Der Tierpark Hagenbeck hält mit vorbildlich und aufwendig ausgestatteten Gehegen seit mehr als 100 Jahren den Besucherstrom aufrecht. In der jüngsten Attraktion des Familienunternehmens, dem Eismeer, haben die Walrosse nun auch noch den ersten Nachwuchs.

Deutschlands erstes Walross-Baby kam im Tierpark Hagenbeck zur Welt (Foto: picture alliance / rtn - radio tele nord)

Der kleine Walross-Bulle, der am 15. Juni im Tierpark Hagenbeck das Licht der Welt erblickte, ist der erste und bisher einzige seiner Art, der in Deutschland geboren wurde. Gemeinsam mit seiner Mutter Dyna, den Artgenossen Polosa und Olivia und Papa Odin lebt der Kleine im Eismeer des Tierparks Hagenbeck, das die einzige Zuchtgruppe Deutschlands dieser schwer beeindruckenden Tiere beherbergt.

Schwer ist durchaus wörtlich zu verstehen: Obwohl Papa Odin seit seiner Ankunft aus Moskau im vergangenen Jahr 400 Kilogramm abgenommen hat, wiegt er immer noch 1.400 Kilogramm. Im Eismeer hat Odin nun reichlich Platz, um ausgiebig zu schwimmen und zu tauchen. „Die intensive sportliche Betätigung macht sich beim Gewicht bemerkbar“, sagt Eveline Düstersiek, Pressesprecherin des Tierparks Hagenbeck. Bis zu acht Meter tief kann das Walross in den wohl temperierten Fluten tauchen, die auch im Sommer dank raffinierter Kühlung nie wärmer als 15 Grad Celsius werden. Bei seinen Aktivitäten ist Odin allerdings unter ständiger Beobachtung. Die Besucher des Hamburger Tierparks können durch eine 23 Zentimeter dicke Scheibe verfolgen, wie das Walross durch die 2,3 Millionen Liter Salzwasser seiner Anlage gleitet – das Tier scheint es nicht zu stören. „Die Walrosse sind ziemlich neugierig und gucken sich die Besucher gern an“, sagt Eveline Düstersiek.

Die Besucher kommen ganz nah ran

Dass 2012 eröffnete Eismeer ermöglicht Einblicke, die es bislang in einem Zoo nicht gab. Die Hagenbeck-Besucher kommen nicht nur an die Walrosse ganz nah heran. Sie können den Pinguinen in ihrem auf sieben Grad Celsius herunter gekühlten Gehege einen Besuch abstatten und zusehen, wie das imposante Eisbärpaar ein morgendliches Bad nimmt. Das oft gepflegte Bild von den lieben, fast niedlichen Bären geht dabei freilich in die Brüche. Die Tatzen der Tiere sind riesig, die Zähne ebenso. Wenn Blizzard und Victoria, so heißen die beiden, schlechte Laune oder Hunger haben, möchte man nicht in der Nähe der größten Raubtiere, die an Land leben, sein.

So viel Aufwand hat seinen Preis: Das 8.000 Quadratmeter große Eismeer mit seiner aufwändigen, auf Nachhaltigkeit ausgelegten Klimatechnik, und seinem 750 Meter langen Besuchergang hat gut 20 Millionen Euro gekostet. Davon hat die Stadt Hamburg 7,5 Millionen aus dem Bundesförderprogramm „Wir bauen Zukunft“ übernommen, den Rest brachten die Stiftung Hagenbeck und der Förderverein auf. Denn anders als andere zoologische Gärten in Deutschland, ist Hagenbeck in privater Trägerschaft, die Familie führt das Unternehmen in sechster Generation. Permanente Subventionen für die Betriebskosten, wie in anderen zoologischen Gärten üblich, gibt es hier nicht. Dabei fallen im Tierpark Hagenbeck allein für den Unterhalt jeden Tag Kosten von mehr als 40.000 Euro an, im Sommer beschäftigt der Tierpark bis zu 300 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.

Seit 1907 ist Hagenbeck mehr als ein Tierpark

Aber wie geht das? Wie ist das zu finanzieren? „Wir bemühen uns, die laufenden Kosten über Eintrittsgelder zu decken“, sagt Joachim Weinlig-Hagenbeck, der Geschäftsführer. „Größere Investitionen gelingen uns durch Spenden aber auch durch andere Einnahmequellen wie das Tropenaquarium, welches wir 2007 eröffnet haben.“ Pro Jahr finden hier mehr als 200 Veranstaltungen statt. Aber auch das 2009 eröffnete Hotel oder die vielen Sonderveranstaltungen wie die „Dschungel-und Romantik-Nächte“ ziehen zusätzliche Besucher an und tragen dazu bei, die wirtschaftliche Überlebensfähigkeit des 1907 eröffneten Tierparks sicher zu stellen.

Auch abseits des wirtschaftlichen Konzepts ist der Tierpark Hagenbeck weit mehr als ein gewöhnlicher zoologischer Garten. Seit jeher hat die Familie versucht, die Tiere in ihrer natürlichen Umgebung zu zeigen. „Unsere Tierdarstellung ist immer führend gewesen“, sagt Joachim Weinlig-Hagenbeck. „Die Besucher möchten sehen, dass es den Tieren gut geht. Wir haben immer darauf geachtet, dass das tatsächlich so ist.“ Er selbst versteht sich gleichermaßen als Tierfreund und Kaufmann. „Aufgrund unserer Struktur müssen wir darauf achten, Tiere bei uns zu haben, die für die Gäste sehr interessant sind“, sagt er. Das Hagenbeck-Konzept geht auf: Jährlich kommen zwischen 1,6 und zwei Millionen Besucher in den Hamburger Tierpark. Das entspricht in etwa der Zahl aller Besucher in den Hamburger Musicaltheatern zusammen. „Allerdings“, räumt Joachim Weinlig-Hagenbeck ein, „sind wir sehr von der Witterung abhängig.“ So kostet beispielsweise ein heißer Sommer den Tierpark viele Gäste: „Die fahren dann lieber an die Ostsee.“    

Zukunftsfähig durch den Bau neuer Anlagen

2007 wurde das spektakuläre Tropen-Aquarium eröffnet, das die Wetterabhängigkeit etwas verringert hat, 2012 wurde das Eismeer eröffnet. Welches Großprojekt steht als nächstes an? Joachim Weinlig-Hagenbeck winkt ab. „Mit diesen beiden Anlagen haben wir unseren Tierpark zukunftsfähig ausgerichtet. Ich glaube nicht, dass es ständig notwendig ist, weitere aufwändige Attraktionen zu schaffen“, sagt er. Nun gehe es darum, die klassischen Stärken von Hagenbeck weiter zu entwickeln und zu betonen: die Schönheit der 25 Hektar großen Anlage und die Nähe zu den interessanten Tieren.