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Wealth Management
28.02.2014

Der Vorstandschef der Basketball-Pokalsieger Alba Berlin, Dr. Eric Schweitzer, sprach auf einer Veranstaltung der HSH Nordbank über die Einzigartigkeit der deutschen Wirtschaft und das Erfolgsgeheimnis mittelständischer Unternehmen.

Der DIHK-Präsident und Vorstandschef von Alba Berlin, Dr. Eric Schweitzer, hielt den Impulsvortrag für das Wealth Management der HSH Nordbank in Berlin. (Foto: picture alliance / dpa)

In Berlin ist Dr. Eric Schweitzer wohlbekannt. Der Vorstandsvorsitzende der Alba Group plc & Co. KG ist aber auch bundesweit ein Begriff als kürzlich gewählter Präsident des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK). Als Impulsredner auf einer Veranstaltung des Wealth Managements der HSH Nordbank in Berlin hatte Schweitzer einige interessante Themen im Gepäck: Der deutsche Mittelstand liegt ihm offensichtlich sehr am Herzen. Er warnte vor den demografischen Problemen, die Energiewende kommentierte er kritisch und er fragte, wieso die Nachfolgeregelung in Unternehmen entscheidend für die künftige Wirtschaftsstruktur Deutschlands sein kann. Schließlich zeigte er, dass diese Themen alle miteinander zusammenhängen.

Mittelstand ist eine Geisteshaltung

Wieso ist Deutschland so gut aus der Krise gekommen? Und warum haben andere Länder der Europäischen Union (EU) noch Probleme dabei? Alba-Chef Schweitzer hat dafür eine einfache und überzeugende Antwort: den einzigartigen deutschen Mittelstand. Kein anderes Land habe eine derartige Wirtschaftsstruktur vorzuweisen: Im Übrigen würde Schweitzer ein mittelständisches Unternehmen nicht wie die EU nach Kennzahlen, Anzahl der Beschäftigten oder Umsatz definieren. Vielmehr ginge es um die Geisteshaltung, die den Unternehmer nicht in Quartalen sondern in Dekaden und Generationen denken ließe.

Diese besondere deutsche Wirtschaftsstruktur dürfe nicht leichtfertig aufs Spiel gesetzt werden, wie etwa durch Vorhaben wie die Vermögens- und Erbschaftssteuer, so Schweitzer. Dem Argument, dass andere Länder durchaus diese Steuerarten einsetzten, entgegnet er: „Das ist möglicherweise auch ein Grund dafür, warum diese Länder nicht über die flexible und innovative Wirtschaftsstruktur wie in Deutschland verfügen.“

Finger weg von der Substanzbesteuerung

Die bisherige Regelung bei der Unternehmensnachfolge ist nach Meinung von Eric Schweitzer gut. So werde Betriebsvermögen von der Steuer freigestellt, wenn die Zahl der Beschäftigten auch sieben Jahre nach dem Erbfall die Lohn- und Gehaltssumme mindestens gleich bliebe. Das sei unter der ersten Großen Koalition der Bundesregierung von 2004 bis 2009 beschlossen worden und er habe nicht den Eindruck, dass die jetzige Regierung daran etwas ändern wolle. Allerdings könnte das Bundesverfassungsgericht (BVG) dazwischenfunken: In diesem Jahr werde das BVG entscheiden, ob hier eine Ungleichbehandlung von Vermögen besteht oder ob die Privilegierung von Betriebsvermögen angesichts des Erhalts von Arbeitsplätzen diese Sonderbehandlung rechtfertigt. Eine Prognose über das Urteil wagte Schweitzer nicht: „Auf hoher See und vor Gericht sind wir in Gottes Hand".

Weiter betonte der Präsident des DIHK, wie wichtig der Euro für Deutschland ist: Die Rettungspakete für die in Schwierigkeiten geratene Länder seien keineswegs uneigennützig, sondern kämen den deutschen Unternehmen zugute. Denn etwa die Hälfte ihrer Ausfuhren ginge in die Länder Eurozone. Er sei froh über die Fortschritte bei der Stabilisierung der Währungsunion, würde sich aber Sorgen um das reformträge Frankreich machen.

Deutschland kann nicht mit seinem Wetter um Zuwanderer buhlen

Als eine der größten Herausforderungen der kommenden Jahre bezeichnete Schweitzer die demografische Entwicklung: Bis zum Jahr 2025 werde die Zahl der Beschäftigten in Deutschland um sechs Millionen abnehmen. Das seien sechs Millionen Menschen, die nicht mehr in die Rentenkassen einzahlen könnten. Dem müsse man aber keineswegs tatenlos zusehen.

Statt Angst vor Arbeitsplatzverlust und Lohndruck zu haben, sollte den Menschen bewusst gemacht werden, dass qualifizierte Zuwanderung mehr Wachstum und mehr Wohlstand bedeute.

Dr. Eric Schweitzer

Beispielsweise könne er nicht verstehen, wie auf der einen Seite im Ausland unsere duales Ausbildungssystem bewundert werde, hierzulande die Achtung vor einer nicht-akademischen Ausbildung aber abnehme. So würde heutzutage etwa die Hälfte aller Abiturienten ein Studium beginnen, während das früher lediglich ein Drittel tat. Gleichzeitig würde aber ein Viertel das Studium wieder abbrechen, was den Fachkräftemangel unnötig verschärfe. Auch die Zuwanderungsdebatte ginge in die falsche Richtung: Statt Angst vor Arbeitsplatzverlust und Lohndruck zu haben, sollte den Menschen bewusst gemacht werden, dass qualifizierte Zuwanderung mehr Wachstum und mehr Wohlstand bedeute. Auch die Behörden und Unternehmen müssten umdenken. Möchte man einen Ingenieur aus Ecuador nach Deutschland locken, werde man das sicher nicht mit dem guten Wetter hierzulande schaffen. Miet-, Wasserversorgungs- und Handyverträge nicht nur auf deutsch sondern auch auf englisch, könnten auch von Vorteil sein. „Letztlich geht es um eine Willkommenskultur“, so Schweitzer.

Schließlich müsse sich die Bundesregierung noch stärker der Vereinbarkeit von Familie und Beruf annehmen. So könnten allein 850.000 Vollzeitstellen geschaffen werden, wenn die Ganztagsbetreuung ausgeweitet werden würde. Unter den heutigen Bedingungen könnte eine große Anzahl Frauen aus Mangel an Betreuungsmöglichkeiten nur in Teilzeit oder gar nicht arbeiten. Ein Seitenhieb auf die jüngste Rentenreform durfte bei Schweitzers Vortrag auch nicht fehlen: Es passe nicht zum aktuellen Fachkräftemangel der deutschen Wirtschaft, wenn gut ausgebildete Experten mit 63 in Rente gingen.

Anpassungsbedarf bei der Energiewende

Zur Energiewende meint Schweitzer: Grundsätzlich sei sie zu befürworten. Man müsse aber zur Kenntnis nehmen, dass die Energiekosten in den USA im Vergleich zu Deutschland um die Hälfte niedriger ausfallen und die Erdgaspreise dort sogar rund 60 Prozent niedriger seien als hierzulande. Durch das Erneuerbare-Energien-Gesetz würden jährlich 24 Milliarden Euro umverteilt, ein Geldbetrag etwas größer als der Haushalt von Berlin. Hier müsse man etwas ändern, forderte Schweitzer. Gleichzeitig sei zu verhindern, dass die 25.000 Unternehmen, die in die eigene Energieerzeugung investiert haben, in Zukunft benachteiligt würden.