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Eco-Shipping und Retrofitting
18.11.2013

Trotz Krise stellen sich die Reeder den wirtschaftlichen und ökologischen Herausforderungen: Sie investieren in neue verbrauchsärmere, umweltverträgliche Schiffe und rüsten ihre bestehende Flotte nach.

Das Containerterminal Altenwerder verfügt über einen hohen Automatisierungsgrad und gilt mit seinem kompakten Layout als wegweisend für den Containerumschlag der Zukunft. (Foto: picture alliance / Arco Images)

Weltweit bauen Reedereien derzeit neue Flotten mit energieeffizienten und umweltverträglichen Eco-Schiffen auf und rüsten einen Teil ihrer Bestandsschiffe nach, um diese wirtschaftlicher zu betreiben (Retrofitting). Ziel ist, den wachsenden Herausforderungen der weltweiten Schifffahrt in Bezug auf Effizienz und Umweltvorschriften gerecht zu werden. Das ergibt die erstmals von der HSH Nordbank veröffentlichte Marktexpertise zum Thema "Eco Shipping". Diese zeichnet auf Basis einer Kundenumfrage das Stimmungsbild der Branche. Rund 60 Reeder beteiligten sich. Sie machten Angaben zu ihren Vorbereitungen auf die verschärften Emissionsvorschriften, effizienzsteigernde Maßnahmen sowie zu der damit verbundenen Kosten- und Finanzsituation. 44 Prozent der teilnehmenden Reedereien haben ihren Firmensitz in Deutschland, knapp 41 Prozent im übrigen Europa (mit Schwerpunkt Griechenland), 11 Prozent in Nordamerika und 4 Prozent in Asien.

Drastische Reduktion des Schwefel-Ausstoßes

Die Schifffahrt braucht als globalisierte Branche verlässliche internationale Emissionsvorschriften, darin sind sich fast 90 Prozent der Reeder einig. Hintergrund: Die Vorschriften der International Maritime Organisation (IMO) fordern in bestimmten "Umweltzonen auf See", den so genannten Emission Control Areas (ECAs), ab 2015 eine Reduzierung des maximal zulässigen Schwefelgehalts im Schiffstreibstoff von einem Prozent auf 0,1 Prozent sowie eine Senkung der Stickoxid-Emissionen von bis zu 80 Prozent. Die Sonderzonen erstrecken sich zunächst auf Nord- und Ostsee und fast die gesamte nordamerikanische Küste. Weitere ECAs sind für den Mittelmeerraum und Japan geplant.

Obwohl die Umweltbilanz pro transportierter Tonne unter allen Transportträgern in der Seeschifffahrt am vorteilhaftesten ist, emittiert die Schifffahrt jährlich mehr als zwölf Millionen Tonnen Schwefeloxid und über 20 Millionen Tonnen Stickoxid. Neben Rußpartikeln, Schwefeloxid und Stickoxiden enthalten Schiffsabgase Schwermetalle, Asche und Sedimente.

„Der drastische Rückgang der Charterraten, steigende Bunkerpreise und schärfere IMO-Vorschriften erfordern von den Schifffahrtsunternehmen, ihre Betriebskosten zu minimieren und gleichzeitig einen umweltschonenden Schiffsbetrieb zu gewährleisten“, sagt Ingmar Loges, Global Head Shipping International Clients der HSH Nordbank. „Drei Viertel der an der Umfrage teilnehmenden Reeder investieren bereits heute in effizienzsteigernde Maßnahmen, um den deutlich höheren Treibstoffkosten und Umweltauflagen gerecht zu werden“, so Loges.

Reeder rüsten die Hälfte ihrer Flotten um

Fast die Hälfte der Reeder setzt dabei auf den Bau neuer Eco-Schiffe.  Außerdem rüsten 42 Prozent der Reeder ihre fahrende Flotte nach, um deren Effizienz zu steigern. 36 Prozent der Unternehmen geben an, dass sie ihre Schiffe mit einem deutlich teureren Treibstoff bebunkern, der im Vergleich zum herkömmlichen Schweröl wesentlich emissionsärmer ist.

„Immerhin 30 Prozent der Reeder gaben in unserer Umfrage an, mehr als die Hälfte ihrer Flotte umzurüsten“, sagt Christian Nieswandt, Global Head Shipping Domestic Clients der HSH Nordbank. 38 Prozent der Reeder modernisieren allerdings nur bis zu zehn Prozent der eigenen Flotte. „Generell gilt, dass Investitionen in die Nachrüstung bei großen, neueren Schiffen wirtschaftlich sinnvoller sind als bei kleinen, älteren“, erklärt Nieswandt.

Ein Drittel der Reeder berichtet, dass vor allem die Optimierung und Modifikation von Ruder und Propeller zu den wichtigsten Umbaumaßnahmen zur Effizienzsteigerung zählen. Aber auch nachträgliche Optimierung von Bug bzw. Rumpf gehören für ein Fünftel der Reeder zu den wichtigsten Verbesserungen.  22 Prozent der Reeder investieren zudem in die Nachrüstung mit Scrubber-Technologie, durch die Motorenabgase entschwefelt werden.


62 Prozent der Reeder ordern Neubauten – fast alle im Eco-Design

Zum Zeitpunkt dieser Umfrage haben bereits 62 Prozent der Reeder Neubauten geordert oder planen dies im kommenden Jahr. Davon geben fast alle (94 Prozent) der Reeder an, ihre Neubauten ab Werft mit effizienzsteigernden Maßnahmen auszurüsten. Nur sechs Prozent der Reeder ordern ein Standarddesign. Diese neue Generation der Eco-Schiffe wird die Wettbewerbsfähigkeit der bestehenden Flotte gefährden, darin sind sich 60 Prozent der Unternehmen einig. Fast 90 Prozent sind sogar der Meinung, dass es künftig einen geteilten Markt mit unterschiedlichen Charterraten für Standard- und Eco-Designs geben wird. „Das bedeutet, dass ältere Standarddesigns künftig zunehmend weniger rentabel sein werden“, erläutert Nieswandt. "Zum einen leiden sie im Vergleich zu den modernen Schiffen mit Eco-Design unter geringeren Chartererlösen, gleichzeitig erzeugen sie deutlich höhere Betriebskosten."

Reeder investieren mehrheitlich bis zu einer Million US-Dollar pro Schiff in Retrofitting

35 Prozent der Reeder sind laut Umfrage bereit, bis zu eine halbe Million US-Dollar pro Schiff in Retrofitting zu investieren. Ein knappes Drittel der Reeder rechnet mit Kosten zwischen einer halben und einer Million US-Dollar. Insgesamt erwarten mehr als 80 Prozent der befragten Reeder, dass sich ihre Investitionen für Nachrüstungen bereits in ein bis fünf Jahren amortisieren werden.

Die Marktexpertise Eco Shipping der HSH Nordbank zeigt, dass sich die Reeder mit Maßnahmen zur Effizienzsteigerung ihrer fahrenden Flotte und dem Kauf moderner Schiffe aktiv den wirtschaftlichen und ökologischen Herausforderungen stellt. Insgesamt steht die internationale Seeschifffahrt damit trotz anhaltend schwieriger Rahmenbedingungen vor einem bemerkenswerten Innovationsschub durch Eco-Schiffe und Retrofitting.