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Global Economic Symposium
04.10.2013

Kann man den deutschen Mittelstand auf andere Länder übertragen? Mit dieser Frage setzten sich die Unternehmer Reinhard Cordes und Peter Jungen beim Global Economic Symposium (GES) in Kiel auseinander. Gemeinsam mit anderen Mittelstandsexperten kamen sie zu überraschenden Ergebnissen.

Fahne des Global Economic Symposium.

Global Economic Symposium 2013 in Kiel: Auf dem Panel von Unternehmer Positionen Nord wurde die Vorbildfunktion des deutschen Mittelstands diskutiert. (Foto: picture alliance / dpa)

Die Idee klingt verlockend: Könnte man den deutschen Mittelstand auf andere Länder in Europa übertragen, wären viele Probleme der Eurozone gelöst. Damit befassten sich unter anderem Peter Jungen, Gesellschafter der Peter-Jungen-Holding, und Reinhard Cordes, Geschäftsführer von Frerichs Glas, sowie die Präsidentin des Instituts für Mittelstandsforschung in Bonn, Prof. Dr. Friederike Welter, in der GES-Podiumsdiskussion „Spreading the Success of the Mittelstand“. Die Quintessenz war jedoch ein ernüchterndes „Nein“. Denn die deutsche Wirtschaftsstruktur ist über Jahrzehnte gewachsen und es gibt zahlreiche Rahmenbedingungen, die sich nicht ohne weiteres auf Länder übertragen lassen.

Unternehmenskultur ist für den Mittelstand entscheidend

Dass Mittelstandsunternehmen nicht eindeutig definiert werden können, darauf wies Henrik Müller, stellvertretender Chefredakteur des Manager-Magazins und Moderator beim GES, hin. Seiner Ansicht nach spielt nicht die Unternehmensgröße die entscheidende Rolle, sondern eher die Kultur: Der Unternehmer müsse seine Firma und Beschäftigten als seine Familie ansehen und so auch behandeln. Der Journalist warf die Frage auf, ob der deutsche Mittelstand möglicherweise gerade auf dem Zenit seines Erfolgs angekommen sei und es ab jetzt nur noch abwärts gehen könne.

Als Erfolgsbringer für mittelständische Unternehmen in Deutschland hat sich dem GES-Podium zufolge der hiesige Sparkassensektor erwiesen. Dessen regionale Struktur mache es Unternehmern leichter, Kredite für ihre Investitionen zu bekommen. Im Rest Europas gibt es allerdings nur wenige Länder, die über ein vergleichbares regionales Finanzsystem verfügen: Österreich gehört dazu, in Spanien dagegen ist dieser Sektor gerade erst zerschlagen worden. In Italien wurden Sparkassen bereits vor vielen Jahren privatisiert und in Frankreich sind die Institute im genossenschaftlichen Finanzsektor aufgegangen.

Globale Geschäfte – lokale Wurzeln

Als weitere wichtige Grundlage für den Erfolg mittelständischer Unternehmen in Deutschland wurde das duale Ausbildungssystem genannt. Wichtig sei aber auch, dass Unternehmen, die auf globale Märkte ausgerichtet sind, eine tiefe lokale Verwurzelung haben und auf einen gesellschaftlichen Konsens bauen können. Thomas Lasse-Müller, Staatssekretär im Finanzministerium Schleswig-Holsteins, verwies darauf, dass in seinem Bundesland viele Mittelständler in Kleinstädten und Dörfern angesiedelt seien und auf die Unterstützung der dortigen Bevölkerung rechnen dürften. Soll  beispielsweise eine Straße zum Nutzen des dortigen Unternehmens neu gebaut werden, gebe es einen Grundkonsens der Bevölkerung über die Notwendigkeit dieser Infrastrukturmaßnahme. Schließlich wurde mit einem Redebeitrag des Unternehmers Reinhard Cordes klar, dass es auch um eine Geisteshaltung geht: Seine Firma ONLYGLASS – bislang bekannt unter dem Namen Frerichs Glas – existiert seit 137 Jahren und wird jetzt in der dritten Generation geführt. Der Sohn steht bereits zur Nachfolge bereit, entsprechend denke man auch in Generationen.

Schließlich gingen die Diskussionsteilnehmer noch zwei anderen Fragen nach: Wie lange bleibt der deutsche Mittelstand überhaupt erfolgreich? Und was muss Deutschland tun, damit er auch weiterhin zum wirtschaftlichen Erfolg des Landes beiträgt. Moderator Henrik Müller gab zu bedenken, dass nicht nur ein Ende des extrem günstigen Zinsumfelds und mögliche Änderungen bei der Erbschaftssteuer drohten, sondern vor allem die demografische Entwicklung die Unternehmensentwicklung bremsen könnte. Die Unternehmer Cordes und Jungen bestätigten Probleme, die sie schon heute bei der Anwerbung von Fachkräften haben. Hier könne der Staat aktiv werden, damit sowohl Frauen als auch Ältere einen größeren Anreiz erhielten, sich dem Arbeitsmarkt zur Verfügung zu stellen.