SUCHE

Evangelische Akademiewoche
31.10.2013

Der Marktvorstand der HSH Nordbank, Matthias Wittenburg, ist stellvertretender Bundesvorsitzender des Arbeitskreises Evangelischer Unternehmer e. V. Im Interview mit Unternehmer Positionen Nord spricht er zum Thema „Reformation und unternehmerisches Handeln“.

Matthias Wittenburg, Marktvorstand der HSH Nordbank (Foto: Marco Grundt Fotografie Hamburg)

Welchen Zusammenhang gibt es zwischen der Reformation beziehungsweise dem Wirken Martin Luthers und unternehmerischem Handeln?
Matthias Wittenburg: Ein wichtiger Zusammenhang ist, dass Martin Luther Bestehendes hinterfragt und etwas radikal Neues angestoßen hat. Auch ein Unternehmer muss den Mut zu Veränderungen haben, er muss Strömungen aufnehmen. Er muss die Richtung vorgeben. In gewisser Weise muss ein erfolgreicher Unternehmer sein Tun ständig hinterfragen und an die Gegebenheiten – beispielsweise die Globalisierung – anpassen. Man könnte sagen: Er reformiert sein Unternehmen ständig. Aber im Gegensatz zu Luther natürlich nicht vorrangig auf der sozialen, geistigen oder kulturellen Ebene, sondern in seiner Ausrichtung auf den Markt.

Martin Luther stand Geldgeschäften skeptisch gegenüber, den Zins kritisierte er. Wie passt es da zusammen, dass Sie im Beruf Vorstand der HSH Nordbank sind und ehrenamtlich stellvertretender Vorsitzender des Arbeitskreises Evangelischer Unternehmer?

Matthias Wittenburg, Marktvorstand der HSH Nordbank, diskutierte mit der ehemaligen Landesbischöfin in Hannover und Ratsvorsitzenden der EKD, Margot Käßmann, über Reformation und unternehmerisches Handeln. (Foto: Marco Grundt Fotografie Hamburg)

Matthias Wittenburg: Martin Luther hat nicht die Berechnung von Zinsen an sich verdammt. Er war gegen Wucherzinsen. Dass man etwas bekommt, wenn man etwas verleiht, ist in der christlichen Kultur kein Problem. Schwierig wird es, wenn Notsituationen ausgenutzt oder übertrieben hohe Zinsen verlangt werden. Wir als HSH Nordbank nehmen keine Wucherzinsen und bieten unseren Kunden auch viele andere Dienstleistungen. Unternehmen schaffen Waren und Dienstleistungen, die gebraucht werden. So entstehen Arbeitsplätze, Steuern werden eingenommen. Damit dieser Kreislauf funktioniert, stellen Banken das Kapital zur Verfügung. Ich denke, das steht dem Geiste von Martin Luther sicherlich nicht entgegen.

Martin Luther warnte davor, dass sich die Menschen vom Geld beherrschen lassen. Wie gehen Sie als Bankvorstand mit dieser Mahnung um?
Matthias Wittenburg: Die nehme ich ernst. Man braucht ein Wertegerüst, um dieser Versuchung zu widerstehen. Es geht darum, dem gemeinsamen Haus, unserer Gesellschaft, zu dienen und Übermaß sowie Gier zu vermeiden. Wir dürfen und sollten uns am Erreichten freuen, sind aber auch in der Pflicht, gemeinwidrigen Eigennutz einzudämmen, so wie auch Luther dies gefordert hat.

Luther sah den Beruf als Berufung. Wie aktuell ist dieser Anspruch heute im Zeitalter schneller Jobwechsel?
Matthias Wittenburg: Als Bankkaufmann bin ich nicht so vermessen, das als meine Berufung zu bezeichnen. Aber ich würde Luthers Forderung als Appell verstehen, im Leben eine Beschäftigung zu suchen, in der man sich und seine Fähigkeiten verwirklichen kann. Das ist wichtig für ein glückliches Leben. Zu diesem gehören übrigens auch Freiheit und Verantwortung. Das lernen wir ebenfalls von Martin Luther.