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Restrukturierungsgipfel

Insolvenz: Nicht nach dem Prinzip Hoffnung agieren

27.09.2013

Beim 19. Restrukturierungsgipfel in Hamburg diskutierten Fachleute aus Forschung, Wirtschaft, Verwaltung und Politik über neue Herausforderungen im Insolvenzrecht und beim Sanierungsmanagement.

Straßenschild "Solar Valley": Immer mehr Solarunternehmen aus Deutschland müssen Insolvenz anmelden. Beim Restrukturierungsgipfel in Hamburg gaben Experten Tipps, was dann zu tun ist.

Zukunftsbranche in der Krise: Immer mehr Solarunternehmen aus Deutschland müssen Insolvenz anmelden. Beim Restrukturierungsgipfel in Hamburg gaben Experten Tipps, was dann zu tun ist. (Foto: picture alliance / ZB)

Eröffnet wurde die Tagung mit einem Vortrag von Professor Dr. Michael Bräuninger, Forschungsdirektor am Hamburgischen WeltWirtschaftsInstitut (HWWI), der einen klaren, allerdings zeitverzögerten Zusammenhang zwischen der Anzahl der Insolvenzen und der wirtschaftlichen Entwicklung aufzeigte. Der HWWI-Professor entwarf ein differenziertes, in der Grundtendenz positives Bild von den Perspektiven der Weltwirtschaft. Vor allem in China und Südamerika sieht er weiter hohe Wachstumsperspektiven, während das Wirtschaftswachstum in der Eurozone und in den USA etwas langsamer sein dürfte. Im Anschluss daran referierte Sascha Schuff von der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht über „Abwicklungsplanung und Abwicklung von Kreditinstituten nach EU-Gesetzgebungsvorschlägen“.

Praktisch wurde es beim Vortrag von Dr. Achim Ahrendt, Rechtsanwalt und Insolvenzverwalter bei hww Insolvenzverwalter in Hamburg. Anhand von zwei Beispielen aus der Solarbranche leitete er konkrete Ratschläge für Unternehmer ab. Wichtig sei gerade für Firmen im Projektgeschäft, dass sie über eine angepasste Finanzierung verfügten und nicht nach dem Prinzip Hoffnung agierten, so Ahrendt. „Da gibt es oft einen Auftrag, der eigentlich kommen und die Lage entscheidend verbessern soll. Aber der Auftrag kommt eben nur eigentlich.“ Am Schluss bliebe der ersehnte Abschluss oft aus und die Kasse leer.

Er könne deshalb allen Unternehmen nur raten, die möglichen Einnahmen sehr realistisch zu planen. Wichtig sei auch, die eigene Zahlungsfähigkeit stets seriös und vorausschauend zu überprüfen. Und, sollte sich tatsächlich eine Insolvenz anbahnen, rechtzeitig einen entsprechenden Antrag zu stellen. Denn je früher ein Insolvenzverwalter zurate gezogen würde, desto mehr könne er in dem Verfahren erreichen.

Im Anschluss berichtete Stefan Ermisch, Finanzvorstand der HSH Nordbank, über „den Weg zurück – Bankmanagement in der Krise“. Um die Auswirkungen der Finanzmarktkrise, die 2008 nach der Pleite von Lehman Brothers ihren Höhepunkt erreichte, auf die Banken zu illustrieren, verwies er auf den dramatischen Verfall der Konzernergebnisse der deutschen Banken. Diese seien zwischen den Jahren 2006 und 2012 um etwa 75 Prozent gefallen. Gleichzeitig seien die Kernkapitalquoten um etwa 70 Prozent auf durchschnittlich 13,6 Prozent gestiegen. „Wir haben eine sehr deutliche Korrektur der Risikopositionen erlebt“, sagte der Finanzvorstand der HSH Nordbank.

Große Veränderungen, so Stefan Ermisch, ergeben sich auch in der Bankenaufsicht, die aus der Krise ebenfalls ihre Konsequenzen gezogen habe. Unter anderem seien die Anforderungen an die Eigenkapitalausstattung der Banken deutlich verschärft worden. „Rückblickend muss man sich fragen, wie Banken mit einer Kernkapitalquote von vier Prozent über Jahrzehnte ihre Geschäfte führen konnten – und zwar völlig gesetzeskonform“, so Ermisch. Heutzutage müssen die Kernkapitalquoten von Banken mehr als doppelt so hoch sein.

Um ein klares und vor allem einheitliches Bild über den Zustand der europäischen Banken zu bekommen, so der Finanzvorstand, sei es sinnvoll, auf europäischer Ebene einheitliche Standards zu schaffen. Das soll unter anderem durch ein Balance Sheet Assessment, eine Asset Quality Review und einen Stresstest erreicht werden. „Große Investoren haben gegenüber den europäischen Banken ein gewisses Misstrauen“, meinte Ermisch. „Das hängt auch damit zusammen, dass es kein gemeinsames Verständnis für das Führen einer Bank in Europa gibt.“ Allerdings, so räumte er ein, sei es nicht einfach, die Daten und Geschäfte in den unterschiedlichen Ländern korrekt zu bewerten. „Man muss klären, ob und inwieweit eine gewerbliche Immobilienfinanzierung in Süddeutschland mit einer ähnlichen Finanzierung in Spanien oder Frankreich zu vergleichen ist.“

Der Finanzvorstand erklärte auch, wie die HSH Nordbank, die im Zuge der Finanzmarktkrise ebenfalls in Schwierigkeiten geraten war, wieder auf die Erfolgsspur kommen soll. Dazu gehöre zum einen eine klare Fokussierung auf die Kunden aus der Region, mit denen teilweise sehr lange Geschäftsbeziehungen bestünden. Ebenfalls wichtig sei die Stabilisierung der Kernkapitalquote. „Hier sind wir so gut aufgestellt wie sonst nur sehr wenige Banken in Deutschland.“

Neben dem Banken- und Finanzierungsthema wurden auf dem Restrukturierungsgipfel in den Räumen der Universität Hamburg auch Fallbeispiele aus der Solarindustrie, dem Gesundheitswesen, der Schifffahrt und dem Sport vorgestellt. Ebenfalls ein Thema: ein Insolvenzplanspiel und eine genaue Betrachtung von bekannten Großprojekten, darunter der Nürburgring und – wen wundert das in Hamburg – die Elbphilharmonie.

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