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15.05.2013

Keine Sorge, so schnell gehen die Lichter nicht aus. Der Zukunftsforscher Matthias Horx spricht im Interview über neue Energiekonzepte, die Vorzüge hoher Preise und sein Leben im Zukunftshaus.

Zukunftshaus von Matthias Horx

Energie dort produzieren, wo sie verbraucht wird: Das Zukunftshaus von Matthias Horx in Österreich. (Foto: Klaus Vyhnalek)

Die fossilen Brennstoffe sind endlich, die Energiepreise in Deutschland steigen – wie können wir langfristig eine stabile Energieversorgung sicherstellen?
Matthias Horx: Die fossilen Brennstoffe sind viel weniger endlich, als wir das früher dachten, man denke nur an die neue Gasfördertechnik Fracking und die vielen Erdölreserven, die man andauernd noch findet. Aber viel mehr fossile Energieträger werden in Zukunft im Boden bleiben, weil wir sie im Prinzip gar nicht brauchen. Das Universum, unser Planet, ist voll von Energie. Mit einer geschickten Kombination aller möglichen erneuerbaren Träger lässt sich der Energiebedarf der Menschheit sichern, auch wenn immer mehr Menschen im Wohlstand leben. Das ist aber eine Frage von politischem Willen und Einsicht in die Notwendigkeit, CO2 zu reduzieren oder zumindest zu begrenzen. Dabei sind Preiserhöhungen im Prinzip eher hilfreich, denn was wenig kostet, ist auch nichts wert.

Statt mehr Energie zu produzieren, könnten wir auch weniger verbrauchen. Könnte das für unsere hoch industrialisierte, technisierte Welt eine Option sein?
Matthias Horx: Natürlich. Wir haben ja schon heute eine viel größere Energieeffizienz. Wir produzieren mehr Bruttosozialprodukt mit deutlich weniger Primärenergieeinsatz. Diese Entwicklung wird auch in den Schwellenländern weitergehen. Brasilien nutzt für seine Energieerzeugung heute nur zehn bis 15 Prozent fossile Energie und jetzt lernt man dort auch, energieeffektivere Systeme zu errichten. Da könnten wir allerdings in Deutschland Vorreiter sein: bei intelligenten Systemen, die keinen Verlust von Lebensqualität erzeugen, sondern die Energie durch intelligente Systemvernetzung sparen.

Solardächer, Erdwärme, kleine Windkraftanlagen – viele Häuser haben ihre eigene Energieversorgung. Was hat es mit dem Trend auf sich?
Matthias Horx: Zwei Erkenntnisse beziehungsweise Entwicklungen kommen hier zusammen. Erstens ist es viel effektiver, die Energie dort zu erzeugen, wo sie verbraucht wird. Ortsnahe Energetik kann um den Faktor vier besser wirken. Wenn Sie erst Kohle in einem Kraftwerk verbrennen und dann den Strom über Hunderte Kilometer transportieren, ist das mit Sicherheit weniger effektiv  als ein kleines Blockheizkraftwerk mitten in einem Siedlungsgebiet. Zweitens haben die Menschen einfach auch Spaß an der Eigenproduktion. So wie heute viele ihr Gemüse wieder selber züchten, lieben sie eben auch ihre Solaranlagen. Das Kraftwerk auf dem Dach oder der Energiegenerator im Keller macht ein wenig stolz und es beruhigt die Angst davor, von anonymen, großen Mächten wie den Energieversorgern oder Rohstofflieferanten abhängig zu sein. Man könnte das auch „Energiestolz“ nennen.

Matthias Horx

Zukunftsforscher Matthias Horx: „Wir könnten in Deutschland durch eine intelligente Systemvernetzung Energie sparen und damit weltweiter Vorreiter sein. (Foto: picture-alliance/ dpa)

Sie selbst leben in einem Haus, das weitgehend energieautark ist. Wie sind Ihre Erfahrungen? Ist das ein sehr teures Projekt?
Matthias Horx: Es wird von Jahr zu Jahr billiger, das ist leider ein wenig wie mit den Computern und Laptops – wann immer man sich einen kauft, ist man ein halbes Jahr später schon enttäuscht, weil etwas Besseres auf dem Markt kommt. Aber das ist nun mal das Zeichen von Fortschritt. Derzeit sind wir noch nicht im positiven Bereich, es fehlen noch Speicherkapazitäten, die Elektroautos lassen sich noch nicht als Batterien fürs Haus nutzen, aber im nächsten Jahr werden wir das schaffen. Es geht uns aber nicht darum, autark zu werden – niemand ist in einer komplexen, arbeitsteiligen Gesellschaft wirklich als Einzelgänger lebensfähig. Es geht uns nicht ums Abkoppeln, sondern ums Zukoppeln! Wir sehen unser Projekt als Teil einer Entwicklung zum „Energy Grid“, zu einer Netzwerk-Energie-Struktur, die unser Energiesystem viel robuster und widerstandsfähiger gegen Störungen oder Verteuerungen einzelner Energieträger macht.

Weitere Informationen zum Zukunftsforscher Matthias Horx und zu seinem Zukunftshaus im Internet unter:

www.horx.com und www.zukunftshaus.at.