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13.03.2013

Soziale Netzwerke wie Facebook oder Yammer bieten vielen mittelständischen Unternehmen interessante Möglichkeiten. Denn mit den dort zur Verfügung gestellten Tools können sie auf die Daten eigener und potenzieller Kunden zugreifen. Unternehmen erreichen ihre Kunden damit dort, wo die sich mit ihren Freunden treffen. Und sie könnten so selbst die interne Kommunikation verbessern.

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Facebook-Button: Kommunikation im Social Web bietet Chancen, birgt aber auch Risiken für Unternehmen. (Foto: picture alliance / dpa)

Die Werkzeuge, um die es geht, heißen Facebook, Twitter, LinkedIn, Yammer, Socialcast, HipChat, Salesforce Chatter, Dropbox, Box oder Evernote. Wenige Mitarbeiter mittelständischer Unternehmen kennen diese Instrumente oder sind in der Lage, deren Vor- und Nachteile gegeneinander abzuwägen. Es kann sich aber für viele Unternehmen lohnen, sich diese Webwerkzeuge genauer anzuschauen und sie auch zu nutzen. Im besten Fall stellt das Unternehmen gleich eine Mitarbeiterin oder einen Mitarbeiter für diese Aufgabe ab. Sie oder er sollte sich die neuen Webwerkzeuge anschauen, sich informieren und mit einem kleinen Kollegenkreis testen. Immer mit Blick auf den Nutzen, den das Unternehmen mit diesen Tools generieren kann und will.

Ideenmanagement mit Liquid Feedback

Welches Potenzial beim Einsatz von Webwerkzeugen möglich ist, zeigt der Kommunikationsberater Hergen Wöbken in einem Artikel auf der Nachrichtenseite T3N über die Synaxon AG auf. Das IT-Unternehmen setzt für die interne Ideenfindung und Partizipation der Mitarbeiter das unter anderem bei der Piratenpartei verwendete Abstimmungstool Liquid Feedback ein. Wöbken schildert, wie es funktioniert: „Jeder der 150 Mitarbeiter ist berechtigt, eine Initiative zu starten, und wenn ein Quorum von zehn Prozent der Belegschaft erreicht ist, startet die Diskussion. Wie bei den Piraten folgt vor der Abstimmung eine Phase des Einfrierens, in der keine Änderungen mehr möglich sind. Nehmen an der Abstimmung mindestens fünfzig Prozent der in der Themengruppe registrierten Mitarbeiter teil und erhält die Initiative am Ende eine einfache Mehrheit, sieht sich der Vorstand in der Pflicht, sie umzusetzen. Sein Vetorecht will der Vorstand nur in Ausnahmefällen anwenden. Bisher hat er keinen Gebrauch davon gemacht.“

Eine solche Vorgehensweise ist sicher nicht frei von Risiken. Berücksichtigen Unternehmen aber die kreativen Kräfte, die eine motivierte Belegschaft entfalten kann, dürften sich viele Bedenken relativieren. Wöbken zufolge hat das Vertrauen der Synaxon-Mitarbeiter in das Abstimmungswerkzeug dazu geführt, dass sie sich nun auch mit Themen wie dem Geschäftsmodell des Unternehmens auseinandersetzten. Das Fazit von Frank Roebers, Vorstandsvorsitzender der Synaxon AG, fällt positiv aus. Ihn hat vor allem die Steigerung der Effizienz beeindruckt, die er nach dem Einsatz von Liquid Feedback festgestellt hat: „Themen werden nicht nur schnell aufgespürt, sondern auch mit der versammelten Intelligenz des Unternehmens bearbeitet.“

Fallstricke bei Yammer

Doch wo Licht ist, gibt es bekanntlich auch Schatten. Beispiel Yammer: Das soziale Netzwerk, das Microsoft im Sommer 2012 kaufte, setzen einzelne Unternehmen (Neue Zürcher Zeitung, DHL, Shell) in der internen Kommunikation ein. Bei Yammer kann sich jeder Mitarbeiter kostenfrei mit der eigenen Unternehmens- E-Mail-Adresse anmelden und wird automatisch einem Netzwerk zugeordnet. Das Basisangebot ist für das Unternehmen ebenfalls kostenfrei nutzbar. Yammer hat aber einen ärgerlichen Haken – besonders für kleinere Unternehmen: Sobald ein Nutzer wieder aus dem Yammer-Netzwerk ausgeschlossen werden soll, etwa weil er oder sie das Unternehmen verlassen hat, muss auf eine kostenpflichtige Version umgesattelt werden. So könnten bei rund 100 Yammer-Mitgliedern für erste Administrationsfunktionen bereits 300 Euro pro Monat fällig werden.

Fazit

Unternehmen sollten angesichts der Potenziale, aber auch wegen der möglichen Fallstricke Kompetenzen für den Einsatz von Webwerkzeugen aufbauen. Hilfreich ist es, die Vor- und Nachteile abzuwägen und sich darüber klarzuwerden, welche Ziele die Firma mit den neuen Internettools erreichen möchte. Bewährt haben sich kleine, flexible Teams. Sie können die Möglichkeiten testen und Empfehlungen aussprechen, die das Unternehmen dann bei seiner Entscheidung unterstützen.

(Foto: Marcel Weiß)

Über den Autor

Marcel Weiß lebt in Berlin und arbeitet als Autor, Blogger und Berater zu digitalen Strategien. Er ist Experte für Informationsarchitekturen, organisationale Herausforderungen in Netzwerkökonomien und digital getriebene Erlösmodelle. Marcel Weiß schreibt auf neunetz.com über die Internetwirtschaft und ist unter anderem als Autor für das Portal Exciting Commerce tätig.