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Compliance
19.02.2013

Wenn es um Einladungen zum Geschäftsessen oder zu einem Fußballspiel geht, redet immer häufiger die Compliance-Abteilung ein Wörtchen mit. Diese interne Aufsicht nimmt in Unternehmen immer umfassendere Aufgaben wahr. Auch Mittelständler sollten auf die Einhaltung von Compliance-Regeln in ihrem Betrieb achten.

Heimspiel des Hamburger SV: Einladungen von Geschäftspartnern zu Fußballspielen entsprechen nur noch selten den Compliance-Richtlinien. (Foto: picture alliance / HOCH ZWEI)

Heimspiel des Hamburger SV: Einladungen von Geschäftspartnern zu Fußballspielen entsprechen nur noch selten den Compliance-Richtlinien. (Foto: picture alliance / HOCH ZWEI)

Heiko Engelhardt, Partner im Bereich Mittelstand bei Deloitte

Business-Lounges für Geschäftsleute sind aus deutschen Fußballstadien nicht mehr wegzudenken. Doch es ist schwer, diese Plätze zu besetzen, ohne dabei gegen Compliance-Richtlinien zu verstoßen. „Selbst die früher obligatorischen Weihnachtsgeschenke an Kunden werden, sofern es sie überhaupt noch gibt, in den meisten Bertrieben mittlerweile dankend abgelehnt“, sagt Heiko Engelhardt vom Prüfungs- und Beratungsunternehmen Deloitte. „Hier gibt es für die Unternehmen kaum noch Spielraum.“ Engelhardt ist Partner im Bereich Mittelstand bei Deloitte. Der Experte beschäftigt sich seit vielen Jahren mit der Implementierung von Compliance-Richtlinien in Unternehmen.

Auch für Mittelständler gilt die soziale Adäquanz

Grund für die Zurückhaltung vieler Unternehmer ist, dass sie Geschäftspartnern zu teure Einladungen oder Geschenke zukommen lassen könnten. „Im Gegensatz zur öffentlichen Verwaltung werden bei mittelständischen Unternehmen in der Regel keine konkreten Grenzwerte kommuniziert, an die sich die Mitarbeiter halten müssen“, erklärt Philip Roth, Director bei Deloitte und Experte für den Bereich Enterprise Risk Services. Unternehmer und ihre Angestellten sollten sich daher mit sozialer Adäquanz behelfen – also damit, was im Geschäftsleben angemessen und üblich ist. So könne der Chef durchaus in ein besseres Restaurant einladen, als ein Bereichsleiter. Auch die Flasche Rotwein zum Jubiläum eines Großkunden dürfe teurer sein als ein Weihnachtspräsent für einen kleineren Dienstleister.

Werteorientierte Unternehmensführung

Während große Konzerne verbindliche Regelungen aufgestellt haben, sorgt das Thema im Mittelstand regelmäßig für Unsicherheit. Dem Beratungsunternehmen Deloitte zufolge besteht dringender Bedarf an professionellem Umgang mit Compliance. „Die Vergehen sind schon lange kein Kavaliersdelikt mehr“, sagt Engelhardt. „Das Verständnis für Compliance hat sich enorm erweitert. Der Begriff stellt nicht mehr rein auf die Erfüllung gesetzlicher Regelungen ab, sondern ist vielmehr im Kontext einer wert- und werteorientierten Unternehmensführung zu betrachten.“ Und das hat Folgen: Die zunehmende Komplexität, verbunden mit einer erhöhten öffentlichen Aufmerksamkeit, veranlassten auch immer mehr mittelständische Unternehmer, auf diesem Gebiet tätig zu werden.

Philip Roth, Director bei Deloitte

Führungskräfte als Vorbild

„Wichtig ist, dass die Unternehmen Transparenz herstellen“, rät der Experte Roth. „Das funktioniert am besten über eine genaue Dokumentation von Geschenken und Einladungen für Geschäftspartner.“ So würden alle Leistungen sowie die damit verbundenen Anlässe nachvollziehbar. Im Zweifel könne dann auch im Nachhinein über das sozial adäquate Verhalten entschieden werden.

Stellt ein Unternehmen eigene, konkrete Compliance-Regeln auf, sollten sie allen Mitarbeitern bekannt gemacht und von ihnen verstanden werden. Deloitte empfiehlt eine klare Struktur: „Klassischerweise werden die Funktionen des Compliance-Managements dabei in Prävention, Korrektur, Information, Kommunikation und Dokumentation gegliedert“, so Engelhardt. Ein wesentlicher Faktor, der über den Erfolg von Compliance-Regeln entscheidet, ist für den Experten die Vorbildfunktion der Führungskräfte. „Das positive Vorleben ist die Grundlage, um im Unternehmen dem Anliegen Compliance die absolut notwendige Aufmerksamkeit und Bedeutung zu verschaffen.“

Eine spezielle Form des Controllings

Natürlich spielen auch die Kosten eine Rolle, beispielsweise für die Schulung von Mitarbeitern. Es sei allerdings nicht so, dass in mittelständischen Unternehmen gleich eine eigene Compliance-Abteilung eingerichtet werden müsste. Oft werde das Thema einfach anderen Abteilungen zugeordnet, zum Beispiel dem Controlling. „Im Grunde genommen handelt es sich ja auch um eine spezielle Form des Controllings“, so Engelhardt.