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Tiefkühlproduzent FRoSTA
27.11.2012

Unternehmer vor Ort – Felix Ahlers spricht mit Unternehmer Positionen Nord über sein Unternehmen, das Geschäft in den Eurokrisenländern, gesunde Ernährung und den Druck von Aktionären. 

Zur Person

Er ist diplomierter Volkswirt mit MBA-Abschluss, gelernter Koch, hat Erfahrungen im Verkauf und im Hotelmanagement: Felix Ahlers, seit 2010 Vorstandsvorsitzender der FRoSTA AG, einer der großen Produzenten von Tiefkühlkost in Europa mit 1.520 Beschäftigten und einem Umsatz von 385 Millionen Euro. Die Firma hat ihren Sitz in Bremerhaven und Hamburg.  

UP: Herr Ahlers, Sie haben den Posten des Vorstandsvorsitzenden im Jahr 2010 von Ihrem Vater übernommen. War das ein vorgezeichneter Weg?

Ahlers: Nein, als ich 19 war, machte ich eine zweijährige Kochlehre in Paris. Danach arbeitete ich in Rom. Erst dann entschloss ich mich, Volkswirtschaft zu studieren. Später wollte ich eigene Erfahrungen sammeln. Italien hatte es mir  angetan und so kam ich zur Lebensmittelfirma Delverde.

UP: Was haben Sie dort gemacht?


Ahlers: Ich habe Pasta verkauft, an Supermärkte. Ein schwieriges Geschäft, in Italien gibt es etwa 160 Pastaproduzenten und einen harten Wettbewerb. Mir ist es damals gelungen, in Frankreich und Holland einen Markt aufzubauen.

UP: Wie ging es dann weiter?


Ahlers: Ende der 90er-Jahre hat FRoSTA ein Tiefkühlwerk in Polen gekauft. Ich sollte dort hingehen, um das Werk in unser Unternehmen zu integrieren. Vier Jahre war ich dort. Dann kam das Annus horribilis.

UP: Was meinen Sie damit?


Ahlers: Das Jahr 2003 war für FRoSTA eine Zäsur. Denn wir haben das Reinheitsgebot für unsere Gerichte eingeführt. Das heißt, dass wir bei unseren Produkten vollkommen auf Geschmacksverstärker, Farbstoffe und Aromen verzichten.

UP: Ist doch super.


Ahlers: Ja, aber damals unterliefen uns in der Umstellung betriebswirtschaftliche Fehler, die zu einem Millionenverlust führten. Wir hatten das Kundenverhalten nicht richtig eingeschätzt. Denn natürlich konnten wir die Gerichte nicht mehr zum gleichen Preis wie vorher anbieten. Wir waren der Zeit wohl etwas voraus, dachten, die Kunden seien bereit, für eine gesündere Mahlzeit mehr zu zahlen. Glücklicherweise bekamen wir die Lage wieder in den Griff.

UP: Wie sind Sie denn auf die Idee gekommen, ein Reinheitsgebot für Ihre Gerichte zu definieren?

Ahlers: Eine gute traditionelle Küche zeichnet sich durch drei Dinge aus: Sie ist günstig, muss den Leuten schmecken und gesund sein. Zusatzstoffe und Aromen spielen keine Rolle und haben da nichts zu suchen.

UP: Passen Sie die Tiefkühlgerichte dem nationalen Geschmack an?

Ahlers: In Polen ist das teilweise der Fall. Aber in Ländern wie Rumänien und Serbien können wir das nicht leisten, denn der Markt für Tiefkühlkost ist relativ klein, da gehen schnell die Größenvorteile verloren.

UP: FRoSTA ist ein Familienunternehmen in der Rechtsform einer Aktiengesellschaft. Passt das zusammen: das langfristig orientierte Familienunternehmen und die Börse, wo eher auf kurzfristige Trends gesetzt wird?

Ahlers: Das ist ein beliebtes Vorurteil, dass börsennotierte Aktiengesellschaften kurzatmig sind. Dieses Vorurteil gilt ja besonders für amerikanische Unternehmen. Ich habe bei Procter & Gamble mit daran gearbeitet, die Kartoffelchips der Marke Pringles in Deutschland einzuführen. Da wusste das Management genau, dass sie nicht im ersten Jahr Gewinn machen kann, sondern erst nach drei oder vier Jahren. Die Marke wurde dennoch aufgebaut.

UP: Bekommen Sie denn auch mal Beschwerden von Aktionären, wenn der Gewinn nicht hoch ausfällt?

Ahlers: Ja, und das ist o.k. Bei uns sind viele Mitarbeiter Aktionäre. Auch die wollen am Ende einen steigenden Aktienkurs. Wenn unser Ergebnis aber dafür nicht gut genug ist, verstehen sie, dass wir etwas tun müssen, um besser zu werden.

UP: Spüren Sie die Eurokrise?


Ahlers: Von der Nachfrage her nicht so stark. Unsere wichtigsten Märkte außerhalb Deutschlands sind Italien und Polen. Beide laufen überdurchschnittlich gut. Griechenland spielt kaum eine Rolle, aber es ist interessant zu sehen, dass trotz der tiefen Rezession die Zuwachsraten dort beachtlich sind.

UP: Wachstum trotz Krise?

Ahlers: Eine schwache Konjunktur spielt uns in die Hände. Wenn die Menschen sparen, gehen sie weniger in Restaurants und essen mehr zu Hause. Kostenmäßig spüren wir die Eurokrise  über die Schwäche des Euros. Fisch kaufen wir in Südamerika, Alaska und Asien und bezahlen in US-Dollar. Unsere Einkäufe verteuern sich, wenn der Euro abwertet.

UP: Können Sie das Wechselkursrisiko absichern?


Ahlers: Ja, aber immer nur einen Teil, denn wir wissen nicht genau, wie viel Fisch wir in sechs oder zwölf Monaten benötigen.

UP: Und was wäre, wenn Italien aus dem Euro austreten würde?

Ahlers: Dann hätten wir ein Problem, denn die neue italienische Währung würde drastisch abwerten und die Nachfrage nach unseren Produkten zusammenbrechen.

UP: Das Geschäft von FRoSTA ist energieintensiv. Passt das zu dem grünen Image der Firma?

Ahlers: Tiefkühlprodukte schneiden im Vergleich zu herkömmlichen Lebensmitteln in Bezug auf CO2-Werte keineswegs schlechter ab. Studien zeigen, dass es energie- oder umweltmäßig  kein Nachteil ist, mit tiefgefrorenen Lebensmitteln zu kochen.

UP: Wie kommt das?

Ahlers: Man denkt, dass das, was von weit her transportiert wird, mehr Energie verbraucht. Dabei ist eine lange Lagerung ebenfalls sehr energieintensiv, also etwa bei Kohl, der aus Deutschland kommt, aber monatelang gelagert wird. Oder denken Sie an die Gewächshäuser. In Umfragen ist außerdem festgestellt worden, dass Tiefkühlkost weit weniger häufig weggeworfen wird als frische Lebensmittel.