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Becker Marine Systems
13.11.2012

Dirk Lehmann nutzt wirtschaftlich schwierige Zeiten gerne für die Umsetzung neuer Pläne. Das Unternehmen Becker Marine Systems, das der Hamburger seit zehn Jahren führt, hat nun eine eigene Reederei gegründet – mitten in der Schifffahrtskrise.

Das Kreuzfahrtschiff Queen Elizabeth könnte künftig Strom tanken über die Versorgungsschiffe von Becker Marine Systems.

Das Kreuzfahrtschiff Queen Elizabeth könnte künftig Strom tanken über die Versorgungsschiffe von Becker Marine Systems. (Foto: picture alliance/chromorange)

Kreuzfahrtschiffe bringen Glanz und Kaufkraft in Hafenstädte, aber meistens auch schlechte Luft. So verbraucht ein solches Schiff für den laufenden Bordbetrieb an der Kaimauer in etwa den Strom einer Kleinstadt – und pustet dank der Nutzung von Dieselmotoren Schadstoffe wie Stick- oder Schwefeloxide in die Umgebung. Viele Politiker, Anwohner und Umweltschützer fordern daher schon lange die Versorgung der Luxusliner mit Landstrom.

Das Hamburger Unternehmen Becker Marine Systems hat nun eine neue Idee ins Spiel gebracht: ein Stromversorgungsschiff mit dem Namen LNG Hybrid Barge. Die Abkürzung LNG steht dabei für „Liquefied Natural Gas“ – emissionsarmes Flüssiggas. „Diese Schiffe funktionieren wie ein mobiles Kraftwerk und können an große Kreuzfahrtschiffe andocken, um diese mit Strom zu versorgen“, berichtet Geschäftsführer Dirk Lehmann.

Zweistellige Wachstumsraten

So werde der hohe Schadstoffausstoß der Luxusliner deutlich gesenkt und dadurch die Luftverschmutzung in den bei Kreuzfahrern beliebten Städten gemindert. „Bereits Ende des kommenden Jahres wird unsere neue Technik einsatzbereit sein“, so Lehmann, „der umweltfreundlichere Strom kann dann, zunächst in Hamburg und später auch in anderen Hafenstädten, direkt in die Versorgungsnetze der Schiffe eingespeist werden.“

Die derzeit schwierigen Rahmenbedingungen in der Schifffahrt halten das Unternehmen Becker Marine Systems also nicht ab, neue Wege zu gehen: „Wie heißt es so schön, in jeder Krise liegt auch eine Chance“, sagt Lehmann. „Auch die schwierige Situation im Jahr 2009 hat uns am Ende viel stärker gemacht – wir haben neue Produkte entwickelt, sind seitdem mit zweistelligen Raten gewachsen und konnten Personal einstellen.“

Eigene Reederei gegründet

Der gebürtige Hamburger berichtet begeistert von seinen neuen Plänen: „Vor einigen Wochen haben wir eine eigene Reederei gegründet. Neben den Stromversorgungsschiffen für den europäischen Markt planen wir auch den Bau eigener Fährschiffe für norddeutsche Gewässer, zum Beispiel das Wattenmeer“, sagt der 49-Jährige Schiffsbauingenieur.

Diese Passagierschiffe werden dann mit einem eigens von Becker Marine Systems entwickelten Flüssig-Erdgas-Hybrid-Antrieb ausgestattet. „So kann der Ausstoß von Kohlenstoffdioxid im Vergleich zu den derzeit üblicherweise in diesen Regionen eingesetzten Fähren deutlich reduziert werden“, so Lehmann.

Bereits jetzt Weltmarktführer

Dass Becker Marine Systems innovative Ideen erfolgreich umsetzen kann, hat das Unternehmen seit seiner Gründung im Jahr 1946 durch den Binnenschifffahrtskapitän Willi Becker schon oft bewiesen. Die Hansestädter sind gleich in zwei Bereichen Weltmarktführer: bei Schiffsruderanlagen für Containerschiffe und bei maritimen Energiesparsystemen.

„Derzeit machen die Ruderanlagen etwa zwei Drittel unseres Gesamtumsatzes aus, der Energiesparbereich rund ein Drittel“, so Lehmann. „Unser Ziel ist es, dass diese beiden Bereiche im Jahr 2020 jeweils bei etwa 40 Prozent liegen.“ Hinzukommen soll dann mit 20 Prozent die sich derzeit im Aufbau befindende LNG-Hybrid-Sparte.

80 Millionen Euro Umsatz

Lehmann kam Ende 2001 über ein Management-Buy-in als geschäftsführender Gesellschafter in das Familienunternehmen, das damals noch Willi Becker Ingenieurbüro hieß. Und seine Bilanz kann sich sehen lassen: Lag der Umsatz im Jahr 2002 bei rund zwölf Millionen Euro, so rechnet Becker Marine Systems in diesem Jahr mit etwa 80 Millionen Euro. Die Mitarbeiterzahl stieg im gleichen Zeitraum von 25 auf aktuell 120 Beschäftigte.

Für das kommende Jahr ist deshalb ein Umzug geplant – quasi einmal ums Eck vom derzeitigen Standort am Neuländer Kamp in den Harburger Binnenhafen. „Wir sitzen seit 2003 in unserem Gebäude. Da wir mittlerweile deutlich mehr Platz benötigen, hier aber nicht mehr wachsen können, haben wir acht Millionen Euro investiert und ziehen in einen Neubau direkt am Wasser, der Platz für bis zu 250 Mitarbeiter bietet“, so Lehmann.

Forderungen an die Politik

Becker Marine Systems überzeugt also mit Wachstum und Innovationen. Damit das so bleibt, stellt Lehmann gerne Forderungen an die Politik: „Unzufrieden bin ich mit der hiesigen Förderlandschaft. Statt ständig viele umständliche und bürokratische Anträge zu stellen, wäre es besser, die Förderung auf Steuerboni umzustellen“, so der norddeutsche Unternehmer.

Dadurch könne der Bereich Forschung und Entwicklung viel direkter und effizienter gefördert werden. Für mittelständische Firmen wie Becker Marine Systems hätte das eine Menge Vorteile, von denen am Ende auch die Politik profitieren könnte – und sei es durch zufriedenere Bürger, die in Hafenstädten wie Hamburg wieder bessere Luft atmen können.

Kontakt zu Becker Marine Systems:
Neuländer Kamp 3
21079 Hamburg
Tel.: +49 40 24199-0