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31.10.2012

Immer mehr Konsumenten suchen via Smartphone und Tablet im Web – nach Hotels, Autos, Immobilien und Produktinformationen. Unternehmen sollten den Konsumenten ins mobile Web folgen.

Pilotprojekt in Berlin: Im Sommer 2012 richtete eine Firma für Außenwerbung 20 WLAN-Hotspots für die kostenlose Internetnutzung ein. (Foto: picture alliance / dpa)

Eric Schmidt, der langjährige Google-Chef, hat es präzise vorhergesagt: „Die Geschwindigkeit, mit der die Menschen das mobile Internet annehmen, ist achtmal schneller als beim stationären Web. Die Zeit des mobilen Internets ist gekommen. In diesem Jahr, im nächsten Jahr und wahrscheinlich für viele Jahre“, sagte Schmidt. Das war Anfang 2010, auf dem Mobilfunkkongress in Barcelona.

Seitdem hat sich das Wachstum tatsächlich spürbar beschleunigt. Aus einer Nische ist in nur drei Jahren ein Massenmarkt geworden. Seitdem sind in Deutschland mehr als 40 Millionen Smartphones und rund vier Millionen Tablet-Computer verkauft worden. Seitdem ist die durchschnittliche Zeit, die Smartphone-Besitzer online sind, auf acht Stunden in der Woche geklettert. Aber seitdem hinken auch die mobilen Geschäfte der tatsächlichen Nutzung hinterher.

Hatten die Unternehmen schon hinreichend Probleme mit der Adaption an das stationäre Web, so scheinen ihre Anpassungsprobleme an das mobile Web um ein Vielfaches größer zu sein. Für Werbung auf Mobiltelefonen werden in Deutschland in diesem Jahr gerade einmal 120 Millionen Euro ausgegeben – gegenüber 4,4 Milliarden im stationären Web. Umgerechnet auf die Onlinezeit also um den Faktor zehn weniger.

58 Prozent der Nutzer sind interessiert an ortsgebundenen Gutscheinen, aber kaum ein Händler bietet sie an. Etwa ein Drittel der Nutzer nutzt sein Smartphone oder Tablet für Einkäufe – aber nur die großen E-Commerce-Firmen haben ihre Onlinepräsenz schon nach dieser neuen Nachfrage ausgerichtet. Weil die traditionellen Unternehmen mit dem Tempo nicht Schritt halten können, drängen immer mehr Onlinespezialisten in den Markt, um sich ein Stück des Kuchens zu holen. Und zwar auf allen Gebieten. Zwei Millionen Menschen suchen mobil nach Autos, ein Wachstum von 125 Prozent. Nach Immobilienangeboten forschen rund 1,75 Nutzer mithilfe ihrer Smartphones, 154 Prozent mehr als 2011. Produktinformationen suchen 4,3 Millionen Menschen inzwischen auf ihrem Telefon, 112 Prozent mehr als zuvor. Im Gegensatz dazu steigt die Nutzung im stationären Web kaum noch. Die Ablösung des Personal Computers für den Webzugang durch Smartphones oder Tablets ist also schon in vollem Gange – noch bevor einige Unternehmen richtig im Internetzeitalter angekommen sind. Mit einem Tempo, das achtmal höher ist als bei der ersten Internetwelle. Wer Eric Schmidt 2010 zugehört hat, sollte jetzt nicht überrascht sein.

(Quelle: Allensbacher Computer- und Technikanalyse 2012)

Über den Autor

Der Gastautor auf UP, Holger Schmidt, befasst sich als Journalist seit 15 Jahren mit der digitalen Wirtschaft. Als Chefkorrespondent mit Schwerpunkt Internet schreibt er im FOCUS die wöchentliche Seite Web-Wirtschaft und das Netzökonomie-Blog auf FOCUS Online. Zuvor hat er 14 Jahre für die Frankfurter Allgemeine Zeitung über die digitale Wirtschaft berichtet. Holger Schmidt, Jahrgang 1966, ist promovierter Volkswirt.