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02.08.2012

Das amerikanische Unternehmen Klout misst die Reputation und Reichweite einer Person in sozialen Netzwerken. Der daraus resultierende persönliche Klout-Score von eins bis 100 kann bei internationalen Jobs entscheidend sein.

Führungskräfte der Zukunft brauchen auch eine möglichst hohe Reputation in sozialen Netzwerken – vor allem bei Twitter. (Foto: picture alliance / empics)

Medienmogul Rupert Murdoch hat Twitter im Sturm erobert. Inzwischen hören 300.000 Menschen zu, wenn Murdoch in 140 Zeichen über Politik philosophiert. Doch der kommunikative Australier ist eine große Ausnahme in der Champions League der Wirtschaft. Unter den Vorstandschefs der 500 größten Unternehmen der Welt sind gerade einmal 19 auf Twitter angemeldet – und nur neun twittern wirklich aktiv, während sich drei Viertel dieser Topmanager aus den sozialen Medien ganz heraushalten, wie der Fortune 500 Social CEO Index Report ergeben hat. Nur das weltgrößte Geschäftsnetzwerk LinkedIn scheint für die Unternehmenslenker aus dieser Riege einigermaßen attraktiv zu sein; jeder vierte CEO ist dort präsent.

Vier von fünf der deutschen Manager nutzen soziale Netze

Schlösse man die Bestandsaufnahme an dieser Stelle ab, ließe sich die Diskussion anstoßen, ob Führungskräfte wirklich gut beraten sind, die sozialen Netzwerke als zentrale Kommunikationsplattformen im Internet ihren Kindern zu überlassen. Doch der Blick eine oder zwei Ebenen tiefer offenbart schon ein ganz anderes Bild. Vier von fünf Managern in deutschen Unternehmen nutzen nämlich regelmäßig soziale Netzwerke, haben übereinstimmend Befragungen von Google sowie LAB & Company ergeben. Die Werte der deutschen Manager liegen sogar über dem Durchschnitt in Europa. Und es sind keineswegs nur die Nachwuchskräfte, die sich bei XING oder Facebook tummeln. 78 Prozent der Führungskräfte mit meist sechsstelligen Jahresgehältern sind mindestens einmal je Woche auf einer Plattform unterwegs, haben die Umfragen ergeben.

Nun hat Deutschland keinen zweiten Rupert Murdoch aufzuweisen. Die leichtfüßige Kommunikation per Twitter, die Politiker wie der SPD-Chef Sigmar Gabriel oder Umweltminister Peter Altmaier inzwischen beherrschen, ist den meisten deutschen Managern der alten Schule noch fremd. Im Vordergrund steht für sie die Suche nach neuen Mitarbeitern, für die wiederum Social-Media-Kenntnisse immer wichtiger werden. Denn in Amerika werden nicht nur die Plätze in der ersten Reihe der Modenschauen nach dem Klout-Score vergeben, sondern inzwischen auch Jobs. Der Klout-Score misst die Reichweite und die Reputation eines Menschen in den sozialen Netzwerken. Wer nicht mindestens einen Klout-Score von 50 aufzuweisen hat, wird schon mal aussortiert. Zwar gibt es immer wieder Zweifel am Sinn und der Methodik solcher Berechnungen, doch je wichtiger das Social Web wird, desto größer ist der Bedarf an solchen Vergleichszahlen. Die Zeit, bis der Klout-Score zur Standardangabe in den Lebensläufen wird, ist nicht mehr lange.

Netzwerke fürs Geschäft

Der deutsche Arbeitsmarkt würde bei Anwendung dieser Regel erstarren. Denn beruflich und privat bevorzugen die deutschen Manager das Geschäftsnetzwerk XING, das gar nicht in den Klout-Score einfließt. Auch das europäische Klout-Pendant PeerIndex setzt bevorzugt auf die internationalen Netzwerke Facebook, Twitter, LinkedIn und Google+. Zumindest die drei letztgenannten Netzwerke sind bei deutschen Managern unbeliebt. Für internationale Jobs ist das keine besonders hilfreiche Präferenz.

Quelle: LAB & Company

Über den Autor

Der Gastautor auf UP, Holger Schmidt, befasst sich als Journalist seit 15 Jahren mit der digitalen Wirtschaft. Als Chefkorrespondent mit Schwerpunkt Internet schreibt er im FOCUS die wöchentliche Seite Web-Wirtschaft und das Netzökonomie-Blog auf FOCUS Online. Zuvor hat er 14 Jahre für die Frankfurter Allgemeine Zeitung über die digitale Wirtschaft berichtet. Holger Schmidt, Jahrgang 1966, ist promovierter Volkswirt.