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03.09.2012

Intelligente Maschinen revolutionieren derzeit die Prozesse in Unternehmen. Die Einsatzgebiete sind vielfältig – und keineswegs nur für große, finanzkräftige Firmen interessant. Die Deutschen sind bei der Entwicklung ganz vorne mit dabei.

Ein Logistikzentrum des amerikanischen Onlineversandhändlers Amazon: Hier sollen künftig Roboter die Bestellungen der Kunden übernehmen. (Foto: picture alliance / dpa)

Die Zeit ist reif. Für die „vierte industrielle Revolution“, wie es Wolfgang Wahlster, Chef des Deutschen Forschungszentrums für Künstliche Intelligenz in Saarbrücken nennt. Gemeint ist das „Internet der Dinge“, also die intelligente Vernetzung von Maschinen miteinander, um Produktion und Logistik zu automatisieren oder um Kleinstserien wirtschaftlich produzieren zu können. Die Einsatzgebiete sind vielfältig – und keineswegs nur für große, finanzkräftige Unternehmen interessant. Beispiel Bau: Im Projekt AutoBauLog wird erforscht, wie die Abläufe auf Baustellen automatisiert und damit vereinfacht werden können, um vor allem die Zusammenarbeit zwischen Generalunternehmer und seinen meist kleinen und mittelgroßen Subunternehmern zu erleichtern. Baumaschinen erhalten dafür eine 3-D-Steuerung und kommunizieren miteinander. Am Ende sollen sich die Maschinen auf dem Bau selbst organisieren.

Zugegeben, das klingt noch etwas wie Science Fiction. Doch das „Internet der Dinge“ ist die große Chance für die deutsche Wirtschaft. „Der Vorsprung Deutschlands vor China oder den USA beträgt maximal ein Jahr. Wir müssen jetzt die spannenden Produkte entwickeln, um vorne zu bleiben“, mahnt Michael ten Hompel, Geschäftsführer des Fraunhofer-Instituts für Materialfluss und Logistik. Er will den Fehler vermeiden, der in der Unterhaltungselektronik gemacht wurde. Obwohl zentrale Erfindungen wie das MP3-Format aus Deutschland stammen, wurden die erfolgreichen Produkte von Unternehmen wie Apple oder Sony auf den Markt gebracht. Nun habe Deutschland wieder einen Vorsprung in einer Basistechnologie, der nicht nochmals verspielt werden dürfe, mahnt ten Hompel. Recht hat er, denn nur mit Hightech können Unternehmen am Standort Deutschland im internationalen Wettbewerb konkurrenzfähig bleiben.

Die Einsatzfelder sind breit. Offensichtliche Anwendung für die Kommunikation zwischen Maschinen ist die Logistik. Wohin die Reise führt, hat der amerikanische Onlinehändler Amazon mit dem Kauf des Roboterspezialisten Kiva Systems schon einmal gezeigt. 775 Millionen Dollar hat sich Amazon die Zukunftstechnik kosten lassen, damit künftig Roboter die Bestellungen der Kunden zusammenstellen. Rund um die Uhr und ohne Pause, denn die Lieferung eines Pakets am selben Tag wird bald ein wichtiger Wettbewerbsfaktor im elektronischen Handel. „Richtig spannend wird es aber, wenn die Fahrzeuge aus der Lagerhalle herausfahren, zum Beispiel für die Versorgung unserer Großstädte. Die Maschinen werden künftig die Verkehrswege autonom untereinander aushandeln“, erwartet ten Hompel. Von Satelliten gesteuert können die Fahrzeuge künftig in der Nacht die Produkte in die Supermärkte transportieren.

Eine wachsende Bedeutung erlangen auch die sogenannten Cyber-Physical-Systems (CPS): In Maschinen eingebettete Informations-und Kommunikationssysteme erkennen mithilfe von Sensoren ihre physische Umgebung und können diese Informationen auch verarbeiten. Ein schönes Beispiel dafür ist der „Distributed Robotics Garden“ am Massachusetts Institute of Technology (MIT): Dort geben Roboter den Pflanzen das Wasser, wenn der Boden trocken ist. Und sie ernten die Früchte, wenn die Zeit reif ist.

Über den Autor

Der Gastautor auf UP, Holger Schmidt, befasst sich als Journalist seit 15 Jahren mit der digitalen Wirtschaft. Als Chefkorrespondent mit Schwerpunkt Internet schreibt er im FOCUS die wöchentliche Seite Web-Wirtschaft und das Netzökonomie-Blog auf FOCUS Online. Zuvor hat er 14 Jahre für die Frankfurter Allgemeine Zeitung über die digitale Wirtschaft berichtet. Holger Schmidt, Jahrgang 1966, ist promovierter Volkswirt.