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31.08.2012

Beweglichkeit statt Verkehrskollaps: Der Fahrradhersteller Derby Cycle hat rechtzeitig einen Trend erkannt. Mit Elektrofahrrädern lassen sich auch längere Strecken schnell und problemlos zurücklegen.

Das Fahrrad der Zukunft: Ein Elektrofahrrad.

Fortbewegungsmittel der Zukunft: das Elektrofahrrad. (Quelle: Kalkhoff)

Mobilität ist eines der großen Themen unserer Zeit: Noch nie waren die
Menschen so viel unterwegs wie heutzutage. Und noch nie hat die Mobilität
so viele Probleme verursacht: Staus, Umweltverschmutzung, verstopfte
Städte, Verkehrskollaps. Eine einfache Lösung der Probleme: Fahrrad fahren
– ein Trend, der in vielen Großstädten deutlich sichtbar ist und der sich
auch in den guten Absatzzahlen des niedersächsischen Fahrradherstellers
Derby Cycle AG zeigt. Das Traditionsunternehmen hat bei Umsatz und Ertrag
zuletzt kontinuierlich zugelegt.

Allein in der ersten Hälfte des Geschäftsjahrs 2011/2012 konnten die
Umsatzerlöse um über 17 Prozent auf 134,2 Millionen Euro gesteigert werden.
Wesentlicher Treiber der Zuwächse: der deutliche Anstieg beim Absatz von
Elektrorädern, also von jenen Fahrrädern, die mit einer elektrischen
Unterstützung arbeiten. „In Sachen Elektromobilität ist die
Fahrradindustrie der Autobranche weit voraus“, sagt Mathias Seidler, der
Vorstandsvorsitzende der Derby Cycle AG. „Während sich die großen
Automobilhersteller noch in einer Testphase befinden, sind Elektrofahrräder
bereits alltagstauglich.“

Steigungen? – Kein Problem

Die Derby Cycle AG hat im Geschäftsjahr 2010/2011 insgesamt 87.000
Fahrräder mit Elektrounterstützung verkauft, etwa doppelt so viele wie im
Jahr zuvor. Im ersten Halbjahr 2011/2012 kletterte der Absatz der
Elektroräder um weitere knapp 37 Prozent. Der Vorteil der Elektroräder:
Durch die Unterstützung lassen sich mit den E-Bikes auch größere Strecken
ebenso zügig wie problemlos zurücklegen, gefürchtete Steigungen verlieren
komplett ihren Schrecken. „Wir haben“, sagt Seidler, „unsere führende
Stellung in diesem Wachstumsmarkt weiter ausgebaut.“ 2012, so Prognosen,
werden in Deutschland etwa 300.000 E-Bikes verkauft.

Trotz des E-Bike-Booms: Das Hauptgeschäft der Derby Cycle AG ist nach wie
vor die Produktion und der Verkauf allein durch Beinkraft betriebener
Fahrräder. Davon hat die Derby Cycle AG im Geschäftsjahr 2010/2011 fast
400.000 Stück abgesetzt. Mit einem Jahresumsatz von gut 235 Millionen Euro
ist der niedersächsische Fahrradhersteller nicht nur die Nummer eins in
Deutschland und eines der führenden Unternehmen in Europa, sondern auch
eines der traditionsreichsten.

Tradition seit 1919

Die Geschichte der Firma aus Cloppenburg beginnt im Jahr 1919. Der Erste
Weltkrieg ist gerade vorbei, als sich der 16-jährige Landbriefträger
Heinrich Kalkhoff im heimischen Elternhaus mit dem Bau und dem Handel von
Fahrrädern beschäftigt, um damit Geld zu verdienen. 1923 beginnt er schließlich mit der Produktion von eigenen Fahrradrahmen. Vier weitere Jahre später verlassen komplette Fahrräder die Produktionsstätte von Kalkhoff – es ist die Geburt einer großen Marke, die bis heute Bestand hat.

In den Zeiten des Wirtschaftswunders, in den 50er- und 60er-Jahren,
arbeiten bis zu 1.200 Beschäftigte bei Kalkhoff. Doch die boomende
Autoindustrie, Motorräder, Mopeds und Mofas lassen das Interesse an
Fahrrädern in der Folgezeit etwas schwinden. Das Traditionsunternehmen
gerät in Turbulenzen und geht schließlich 1988 in der Derby Cycle Werke
GmbH auf. Damit beginnt der zweite Teil der Erfolgsgeschichte.

Um langfristig erfolgreich zu sein, setzt das Unternehmen nicht mehr nur auf
die klassische Marke „Kalkhoff“. Daneben bauen die insgesamt 630
Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Unternehmens „Focus“-Räder für
sportlich ambitionierte Kunden, „Raleigh“-Bikes stehen für britische
Tradition, „Univega“ bietet unter anderem BMX- und Freeride-Räder für
Touren abseits aller Pisten an, "Rixe" wiederum baut seit Jahrzehnten
Fahrräder in bester Qualität und Ausstattung: Im Produktportfolio der Derby Cycle AG ist für jeden etwas dabei.

Erfolgreicher Börsengang

Vertrieben werden die Fahrräder von etwa 3.200 Fachhändlern in mehr als 50
Ländern, wobei Deutschland mit einem Anteil von zwei Dritteln immer noch
der bei Weitem größte Absatzmarkt ist. Allerdings wächst der Anteil der
Exporte. „Wir setzen auf eine weitere Internationalisierung unseres
Geschäfts.“

Der Erfolg der Derby Cycle AG zeigt sich nicht nur beim Absatz, er wird
auch am Kapitalmarkt sichtbar, an den das niedersächsische Unternehmen
Anfang 2011 gegangen ist. „Die Anleger, die im Februar 2011 bei einem
Ausgabekurs von 12,50 Euro an unsere IPO-Story geglaubt haben, konnten
später mit dem Übernahmeangebot von Pon über 28 Euro je Aktie eine
attraktive Rendite realisieren“, sagt Vorstandschef Mathias Seidler. Auch
mit dem neuen Großaktionär Pon, der mittlerweile de facto 97 Prozent der
Aktien hält, wird sich an der Strategie nichts ändern. „Wir setzen
weiterhin auf unsere Wachstumssäulen E-Bikes, Internationalisierung und
Fokussierung auf den Fachhandel“, sagt Mathias Seidler. Damit soll die
Derby Cycle AG weiter wachsen. Die Erfolgsgeschichte wird fortgeschrieben.

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