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15.05.2012

Knapp ein Viertel aller Stiftungen wird laut Bundesverband deutscher Stiftungen von Frauen gegründet. Gehen Stifterinnen dabei anders vor als Stifter? Für Kathrin Hartkopf, Leiterin des Plan Stiftungszentrums, steht außer Frage: „Frauen stiften anders!“ Wie, erläuterte sie auf dem Hamburger Stifterinnenfrühstück der HSH Nordbank. Die knapp dreißig Stifterinnen, Unternehmerinnen und Vertreterinnen gemeinnütziger Organisationen tauschten sich hierzu im Anschluss angeregt aus. Die Veranstaltungsreihe ist auf dem besten Weg, eine feste Institution für Stifterinnen in Hamburg zu werden.

Referentin Kathrin Hartkopf (links), Leiterin Plan Stiftungszentrum, und Angela Krzykowski (rechts), Stiftungsberaterin des HSH Nordbank Private Banking. (Foto: HSH Nordbank)

Im Vergleich zum Bundesschnitt sind Frauen beim Plan Stiftungszentrum besonders aktiv: Rund ein Drittel der 171 Treuhandstiftungen bei Plan wurde von Frauen gegründet. Frauen seien zudem der Motor der besonders aktiven Stiftungen, betonte Kathrin Hartkopf.

Die Kinderhilfsorganisation Plan International macht sich für die Rechte von Kindern in Afrika, Lateinamerika und Asien stark. Förderschwerpunkte liegen dabei auf ländlichen Regionen und besonders benachteiligten Gruppen, insbesondere auch auf der Unterstützung von Mädchen und Frauen. Ein Beispiel ist die Nepalesin Urmila Chaudhary: Mithilfe von Plan International konnte sie nach ihrer Befreiung aus zwölf Jahren Sklaverei ihren Traum erfüllen und endlich zur Schule gehen. Die heute 21-Jährige beteiligt sich an Aufklärungs- und Protestaktionen des Kinderhilfswerks und war vergangene Woche in Hamburg, um ihre bewegende Autobiografie „Sklavenkind“ vorzustellen.

„Für das Thema brennen“

Nach einer Auswertung des Bundesverbands deutscher Stiftungen gaben fast die Hälfte der befragten Stifterinnen persönliche Gründe an für die Stiftungsgründung, bei den Männern waren es nur 26 Prozent. Frauen gründeten zum Beispiel häufig eine Stiftung als Andenken an eine nahestehende Person. Schicksalsschläge seien oft der Beweggrund, aber auch freudige Ereignisse. Wenngleich das Beispiel einer Stifterin, bei der die lang ersehnte Hochzeit den Ausschlag gab, wohl eher die Ausnahme sei. Insbesondere bei Stifterinnen ohne Nachkommen spielt die Stiftung als Empfängerin des Nachlasses eine große Rolle.

Nach ihrer Erfahrung hätten Frauen dabei deutlich weniger Berührungsängste mit problematischeren Stiftungszwecken, wie etwa Sklaverei oder Beschneidung, so Hartkopf. „Für ein Thema zu brennen“ sei sehr häufig die Motivation der Stifterinnen.

Tendenziell förderten Frauen eher soziale Zwecke, Männer setzen sich dagegen stärker für Kunst und Kultur ein; Bildung sei für beide ein wichtiger Stiftungszweck. Finanzielle Überlegungen, wie steuerliche Erwägungen würden von Frauen dagegen sehr selten genannt.

Frauen wollen aktiv sein

Frauen wägten ihre Entscheidung eher länger ab. In vielen Fällen sei der Stiftungsgründung unter dem Dach des Plan Stiftungszentrums ein mehrjähriger enger Kontakt vorausgegangen, sei es durch die Unterstützung von Patenkindern, persönlichem Kontakt oder sogar der Teilnahme an Projektbesuchen.

Während Männer ihre Entscheidung zur Stiftungsgründung häufig alleine träfen, bezögen Frauen ihr Umfeld eng mit ein. In der Regel starteten sie allerdings mit einem niedrigeren Grundstockkapital. „Frauen gehen tendenziell vorsichtiger vor, da sie wissen, dass sie rein statistisch eine längere Lebenserwartung haben“, erläutert Hartkopf. Dafür sammelten sie aber deutlich aktiver und engagierter Spenden und stifteten dann regelmäßig zu. „Stifterinnen ergreifen beim Spendensammeln die Initiative, zeigen beeindruckendes Engagement und sind sehr ideenreich“, betont Hartkopf. Dabei nutzten sie auch gezielt geschäftliche Kontakte. Eine Familie verzichtet zugunsten ihrer Stiftung sogar auf Weihnachtsgeschenke.

Ihr Fazit: Frauen wollen als Stifterinnen aktiv sein und stellen das Thema in den Mittelpunkt, nicht finanzielle Überlegungen. Wichtig ist ihnen die persönliche Überzeugung.

Hohes Interesse an Vernetzung

Auch wenn 56 Prozent der Stifterinnen gegenüber dem Bundesverband deutscher Stifter angab, anonym bleiben zu wollen, zeigt die äußerst positive Resonanz auf die beiden Stifterinnenfrühstücke, wie hoch der Bedarf an fachlichem Austausch und Vernetzung ist.

Im Bereich Philanthropie, Stiftungen und Gemeinnützigkeit bietet das HSH Nordbank Private Banking unter der Leitung von Andreas Schiemenz eine einzigartige Kombination von Finanz-Know-how und langjähriger Erfahrung in der strategischen Beratung von Stiftungen, gemeinnützigen Organisationen und Trägern. Angela Krzykowski, Stiftungsberaterin, freut sich auch, neue Teilnehmerinnen beim nächsten Hamburger Stifterinnenfrühstück am 14. September 2012 begrüßen zu können. Bei Interesse setzen Sie sich gerne mit ihr unter Angela.Krzykowski@hsh-nordbank.com oder 040 333314277 in Verbindung.