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Positionen
29.05.2012

Familienunternehmen sind in ihrer Existenz bedroht, wenn bei einem plötzlichen Ausfall des Firmenlenkers die Geschäftsnachfolge nicht hinreichend geklärt ist. Ein möglicher Generationenwechsel sollte daher rechtzeitig geplant werden.

Per Ledermann, Vorstandsvorsitzender der edding AG, Prof. Dr. Dr. h.c. Brun-Hagen Hennerkes und Vanessa Volkmann, Geschäftsführerin der Volkmann & Rossbach GmbH & Co. KG, geben Auskunft über ihre Erfahrungen bei der Unternehmensnachfolge.

  • Welche Fehler lassen sich vermeiden?
  • Gibt es ein Patentrezept?
  • Was würden Sie heute anders machen?
  • Was empfehlen Sie anderen Unternehmern?

  • Per Ledermann
  • Brun-Hagen Hennerkes
  • Vanessa Volkmann

„Ich bin doch gesund und bis zu meinem Ruhestand ist es noch lange hin.“ Mit diesem Satz schieben Familienunternehmer oftmals den Gedanken an ihre Nachfolge beiseite und wenden sich dem vermeintlich wichtigeren Tagesgeschäft zu. Erfahrene Manager, die sonst weitsichtig und entschlossen handeln, ignorieren häufig die Frage, wer ihr Lebenswerk einmal fortführen soll.

In jedem Falle handlungsfähig sein

Doch diese entscheidende Situation kommt häufig schneller als gedacht. Ist die Nachfolge dann nicht oder nur unzureichend geregelt und gibt es für den möglichen Todesfall weder Vollmacht noch Testament, ist das Unternehmen handlungsunfähig. Es drohen langwierige Rechtsstreitigkeiten und die Existenz eines zuvor gesunden Unternehmens ist gefährdet.

Wie aktuell dieses Thema insbesondere in Zeiten des demografischen Wandels ist, zeigt eine Prognose des Instituts für Mittelstandsforschung IfM in Bonn. Bei etwa 3.500 Hamburger Familienunternehmen stehen bis 2014 Regelungen der Unternehmensnachfolge an. Deutschlandweit sind es pro Jahr rund 22.000 Unternehmen, die sich mit diesen organisatorischen und rechtlichen Fragen beschäftigen müssen.

Nachfolgeregelung gehört zur Unternehmensstrategie

„Das größte Risiko in Unternehmen ist immer das Änderungsrisiko“, so Professor Dr. Dr. h.c. Brun-Hagen Hennerkes auf einer Veranstaltung der HSH Nordbank. Der Gründer und Vorstand der Stiftung Familienunternehmen weiß als Seniorpartner einer auf diese Problematik spezialisierten Anwaltskanzlei nur zu gut, dass die Regelung der Nachfolge immer ein fester Bestandteil der Unternehmensstrategie sein muss.

Dazu drei wichtige Grundregeln: „Zum einen muss das Unternehmen stets übernahmefähig gehalten werden, zum anderen sollte der potenzielle Nachfolger frühzeitig identifiziert werden und diesbezüglich erste rechtliche Schritte vorbereitet sein. Und diese Person sollte darüber hinaus bereits Hinweise erhalten haben, was sie in den ersten ein bis zwei Jahren in der Geschäftsführung auf keinen Fall unternehmen sollte“, so Hennerkes.

Frühzeitige Vorbereitung

Als ein Beispiel für eine gelungene und langfristig geplante Nachfolge an der Unternehmensspitze gilt der Schreibwarenhersteller edding AG aus Ahrensburg. „Bei edding wurden und werden alle Familienmitglieder frühzeitig auf ihre Rolle vorbereitet: sei es als Eigentümer oder als Mitarbeiter, sei es als Nachfolger oder als Übergebender“, so der Vorstandsvorsitzende Per Ledermann.

Chance und Risiko zugleich

Oft werde eine entsprechende Regelung jedoch nicht entschlossen genug angegangen. Dabei spielen vor allem in Familienunternehmen meist emotionale Gründe eine Rolle. „Die Unternehmensnachfolge bedeutet Chance und Risiko zugleich“, so Hennerkes, „es ist wie beim Sport. Misslingt beim Staffellauf die Stabübergabe, so fällt das Unternehmen zurück, ohne die Möglichkeit, diesen Nachteil in kurzer Zeit wieder ausgleichen zu können.“

Nachfolgekonzept aktuell halten

Ein allgemein gültiges Patentrezept gibt es für Hennerkes wegen der vielen unterschiedlichen Unternehmenskonstrukte jedoch nicht: „Das Konzept für seine Nachfolge muss jeder Unternehmer selbst schreiben und immer wieder aktuell anpassen.“ Wichtig ist dabei vor allem: Ein solches Konzept darf sich nicht nur auf die personelle Führung des Unternehmens beschränken, sondern muss immer auch die Gesellschaftsanteile berücksichtigen.