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24.04.2012

Der Biermarkt ist hart umkämpft und wird zunehmend von Großkonzernen bestimmt. Doch auch Mittelständler haben eine Chance, wenn sie sich klar von Wettbewerbern abgrenzen können. Der Flensburger Brauerei gelingt das beeindruckend.

Das historische Brauereigebäude in Flensburg. (Foto: Flensburger Brauerei)

Der 23. April gilt als Tag des Bieres. An diesem Datum im Jahr 1516 wurde das Reinheitsgebot zur Bierherstellung erlassen, wonach dafür nur Hopfen, Malz, Hefe und Wasser verwendet werden dürfen. Für die meisten Brauereien ist dieser Tag ein guter Grund zum Feiern. So auch in Flensburg, wo Deutschlands nördlichste Brauerei den 496. Geburtstag des Reinheitsgebotes mit einem Jazzfrühschoppen begeht.

Erfolgreich trotz schwieriger Marktstruktur

Das Unternehmen Flensburger Brauerei Emil Petersen GmbH & Co. KG gehört zu den wenigen bundesweit bekannten Bierproduzenten, die nicht einem großen Konzern wie Anheuser-Busch InBev oder der Radeberger Gruppe zuzuordnen sind. Doch die überwiegend in Familienbesitz befindliche Flensburger Brauerei behauptet sich in einem schrumpfenden Markt – der hiesige Bierkonsum ist seit Jahren rückläufig – durch Innovationen und ein gutes Marketing.

Das berühmte „Plop“

Zum einen ist da das Geräusch beim Öffnen der Bügelverschlussflaschen: Beim lautmalerischen „Plop“ denkt der Biertrinker wohl sofort an das Flens, wie das Vorzeigeprodukt der Brauerei auch genannt wird. Weiteres Alleinstellungsmerkmal ist, dass die Flensburger Flaschen heute noch auf eine althergebrachte Art verschlossen werden. In einer Zeit, als ab den 1950er-Jahren nach und nach alle anderen großen Brauereien auf den heute üblichen Kronkorken umstellten, hielt die Flensburger Brauerei am bewährten Bügelverschluss fest und entwickelte diesen kontinuierlich weiter. Dadurch konnte die Brauerei zu einem der weltweit erfolgreichsten Anbieter im Segment der Bügelverschlussflaschen heranwachsen.

Braukunst und Marketing

Neben der Verpackung muss für einen nachhaltigen unternehmerischen Erfolg vor allem die Qualität des Bieres stimmen. „Im Zentrum unserer täglichen Arbeit stehen natürlich immer die Produkte und deren Vermarktung“, sagt Andreas Tembrockhaus, Geschäftsführer Vertrieb und Marketing der Flensburger Brauerei. „Die von uns im Marketing geleistete Arbeit sorgt für eine der Qualität unserer Biere entsprechende Anerkennung auf dem Markt.“ Dabei gehen die Norddeutschen gerne ihren eigenen Weg. „Die aggressive Preispolitik einiger Konkurrenzbrauereien machen wir nicht mit, denn wir sind davon überzeugt, dass ein gutes Bier auch seinen Preis haben muss“, so Tembrockhaus. Die Privatbrauerei setzt lieber auf humorvolle Werbung. „Diese ist Teil unseres erfolgreichen Marketings und seit Jahren auch Grund für die hohe Bekanntheit und Sympathie, die der Marke Flensburger im ganzen Land entgegengebracht wird.“

Zwölf verschiedene Sorten

Grundlage des Erfolges ist die Verbindung von Tradition und Innovation. So werden in Flensburg zwölf verschiedene Sorten Bier gebraut – vom Pilsener über Weizenbier bis hin zum Bockbier. „Die damit verbundenen brautechnischen und logistischen Herausforderungen nehmen unsere 160 Mitarbeiter gerne an“, weiß Hans Peter Heyen, technischer Geschäftsführer der 1888 gegründeten Traditionsbrauerei mit einem Jahresumsatz von rund 50 Millionen Euro. So hat das Unternehmen seine Prozessleittechnik kürzlich auf den neuesten Stand gebracht. „Diese Investition hatte einen Umfang von etwa sechs Millionen Euro, die wir aus eigener Kraft, ohne Fremdmittel, zuwege gebracht haben“, so Heyen.

Küstengerste: Der norddeutsche Boden und das Seeklima beeinflussen den Biergeschmack nachweislich. (Foto: Flensburger Brauerei)

Erfolgsfaktor Terroir

Zum Selbstverständnis des norddeutschen Unternehmens gehört auch das Bekenntnis zur Region und zur Herkunft der Rohstoffe. So stammt das Brauwasser aus der Flensburger Gletscherquelle, die sich in 250 Meter Tiefe direkt unter dem Firmensitz befindet. „Zudem brauen wir unser Bier zu einem großen Teil mit Malz aus norddeutscher Produktion, das aus heimischer Braugerste gewonnen wird“, sagt Heyen. Für die Qualität der Gerste komme es auf viele unterschiedliche Faktoren an, auch der Boden und das Klima spielten eine große Rolle. „Letztlich ist es wie beim Wein, wo das Terroir eine hohe Bedeutung hat. Deshalb nennen wir unsere Braugerste auch Küstengerste, denn diese Pflanze gedeiht unter dem Einfluss des gehaltvollen, typisch norddeutschen Meeresklimas“, erklärt Heyen. Die Beliebtheit des dadurch entstehenden herbwürzigen „Flens“-Geschmacks reicht mittlerweile weit über Deutschland und Europa hinaus. So wird das traditionsreiche Bier aus Flensburg inzwischen auch gerne in Südamerika und Asien getrunken.