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14.02.2012

Unternehmer stellen die größte Gruppe der Stifter und über die Hälfte des Stiftungsvermögens stammt aus den Erträgen ihrer Unternehmungen. Insbesondere Frauen engagieren sich immer häufiger in diesem Bereich: Ob World Future Council, Körber-Stiftung oder die Bürgerstiftung Hamburg – sie alle wurden durch Unternehmerinnen gegründet oder werden maßgeblich durch Frauen vertreten.  

Annemarie Dose, Gründerin der Hamburger Tafel, berichtete über ihre Stiftung. (Foto: Hamburger Tafel / Brinckmann)

Annemarie Dose, Gründerin der Hamburger Tafel, berichtete über ihre Stiftung. (Foto: Hamburger Tafel / Brinckmann)

Grund genug für die HSH Nordbank, zum ersten Stifterinnenfrühstück Anfang Februar einzuladen. Die neue Veranstaltungsreihe schafft einen Erfahrungsaustausch und bietet die Möglichkeit zum Netzwerken. Bei der Auftaktveranstaltung im Februar begeisterte Annemarie Dose, die Gründerin der Hamburger Tafel, als Gastrednerin.

Das Spektrum der vertretenen Stiftungen war bunt gemischt an diesem Morgen. Aufhänger für interessante Gespräche gab es beim gemeinsamen Frühstück daher mehr als genug. Annemarie Dose berichtete den Stiftungskolleginnen in einem interessanten Vortrag über die Ursprünge, Erfahrungen und Perspektiven der Hamburger Tafel. „Hätte ich damals gewusst, wie sich das alles entwickelt, ich hätte es mit der Angst zu tun bekommen“, staunt Annemarie Dose noch heute, wenn sie an die Anfänge im Jahr 1994 zurückdenkt. Wenn man ihr zuhört, spürt man, wie sie sich immer noch freut und sogar ein wenig wundert, dass das, was damals so klein begann, heute so gut funktioniert. Über 100 ehrenamtliche Helferinnen und Helfern engagieren sich heute für die Hamburger Tafel. Meist seien es ältere Menschen um die 60, die mitmachen.

20.000 Liter Olivenöl für Hamburg

Als Annemarie Dose mit damals 66 Jahren die Hamburger Tafel ins Leben rief, hatte sie keinerlei Erfahrung mit dem Geschäftlichen: „Darum hat sich immer mein Mann gekümmert. Das war in meiner Generation damals so üblich“, erzählt Dose von den Anfängen. Durch Zufall hätte sie von der Berliner Tafel erfahren, habe – um sich nach dem Tod ihres Mannes abzulenken – das Brot aus den Bäckereien eingesammelt und beschlossen, auch in Hamburg eine Tafel zu gründen. Nur in einem Punkt sollte es anders sein: „Ich wollte keine langen Schlangen wie in Berlin, in denen die Leute anstehen mussten. Das fand ich menschenunwürdig.“ Es entstand die Idee, die Lebensmittel zu Einrichtungen zu bringen, die die Hilfsbedürftigen von sich aus aufsuchten: die Heilsarmee etwa oder die Übernachtungsstätte Pik As. „Inzwischen sind es an die 125 Anlaufstellen, die wir beliefern“, freut sich Dose. Darunter Einrichtungen für Obdachlose, Drogenabhängige, ältere Menschen, Frauen oder Kinder. Dose ergänzt pragmatisch, dass auch die Spender einen Nutzen von der Weiterverwertung ihrer Lebensmittel oder Drogerieartikel hätten: Sie sparten schließlich die oft teure Entsorgung ihrer überzähligen Lebensmittel und bekämen sogar noch eine Spendenquittung. Ihr Lieblingsbeispiel sind 20.000 Liter Olivenöl, die den weiten Weg von Italien nach Australien zurücklegten, dort unerwartet nicht abgenommen wurden und nach Hamburg kamen: „Auch damit sind wir fertig geworden und konnten es sinnvoll verteilen“, lächelt sie bei dem Gedanken an das viele Öl.

Annemarie Dose erzählt an diesem Vormittag in den Geschäftsräumen des HSH Nordbank Private Banking am Ballindamm auch, wie es schließlich zur Gründung der Annemarie-Dose-Stiftung kam: „Als gemeinnütziger Verein Hamburger Tafel durften wir nichts für schlechte Zeiten ansparen“, berichtet Dose kopfschüttelnd. Rücklagen für künftige Herausforderungen seien so unmöglich gewesen. Mit der im Jahr 2002 gegründeten Stiftung ginge das jetzt. Zusatzkosten könnten nun abgefedert und gelegentliche größere Investitionen getätigt werden.

Ein weiteres Thema, das viele der anwesenden Stifterinnen interessierte, sprach Annemarie Dose zum Ende des genussvollen Morgens an: die Frage der Nachfolge. Sie erzählte, wie erleichtert sie sei, jemanden gefunden zu haben, der ihre Arbeit und ihre Stiftung übernimmt: „Mit Achim Müller, der schon lange dabei ist, habe ich einen tollen Nachfolger gefunden“, freute sie sich sichtbar, dieses wichtige Anliegen eines jeden Stifters nun geregelt zu haben.

Das nächste Stifterinnenfrühstück der HSH Nordbank wird am 11. Mai stattfinden. Für weitere Informationen wenden Sie sich bitte an Angela.Krzykowski@hsh-nordbank.com