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03.03.2012
Dr. Arend Oetker, Geschäftsführender Gesellschafter der Dr. Arend Oetker Holding GmbH & Co. KG im Portrait.

Dr. Arend Oetker, Geschäftsführender Gesellschafter der Dr. Arend Oetker Holding GmbH & Co. KG (Foto: Stifterverband für die Deutsche Wissenschaft)

Herr Dr. Oetker, als Vizepräsident des Bundesverbandes der Deutschen Industrie wissen Sie, was die Unternehmer bewegt. Wie ist die derzeitige Stimmung im deutschen Mittelstand? 

Die Stimmung im deutschen Mittelstand ist durchaus gut. Die überwiegende Zahl der Mittelständler blickt positiv in die Zukunft und hofft in diesem Jahr auf steigende Umsätze gegenüber dem vergangenen Jahr. Allerdings trüben die Währungskrise und die komplexen Ereignisse, die wir diese Tage erleben, die Geschäftserwartungen. Die Risiken, im Speziellen die Finanzrisiken, sind für viele schwer abzuschätzen – insbesondere für exportorientierte Unternehmen, denn etliche unserer Handelspartner, vor allem in Europa, stecken in einer schwierigen Lage.

Welche Verbesserungen der Rahmenbedingungen erwarten Sie von der Politik langfristig für familiengeführte Unternehmen? 

Die Politik hat die Aufgabe, ihren eigenen Haushalt zu konsolidieren und auch auf europäischer Ebene eine Lösung für die Schulden- und Vertrauenskrise voranzutreiben. Langfristig wichtig für Unternehmen ist die Frage der sicheren und bezahlbaren Energieversorgung, bevor wir über weitere Themen wie Steuersenkungen nachdenken. Die steuerliche Belastung ist für viele familiengeführte Mittelstandsunternehmen speziell im Erbfall ein großes Thema. Die Beibehaltung der jetzigen Erbschaftssteuerregelung ist entscheidend. Eine Neuregelung, die Familienunternehmen schlechter dastehen lässt, könnte die Übergabe an nachfolgende Generationen sogar gefährden. Was Arbeitsplätze in Deutschland betrifft, ist die steuerliche Förderung der Forschung mittelfristig sehr wichtig bei der Frage, wie wir ein optimales Klima für neue Innovationen kreieren. Das brauchen wir als einen Impuls für Wachstum.

Welche Vorteile haben familiengeführte Unternehmen gegenüber anderen Unternehmensformen? 

Letztendlich gibt es keine pauschalen Unterschiede zwischen familiengeführten Unternehmen und nicht familiengeführten Unternehmen. Entscheidend für den Erfolg ist die Professionalität der Unternehmensführung und der Aufsichtsfunktion. Familiengeführten Unternehmen werden traditionelle Tugenden wie Verantwortungsbewusstsein, Leistungsbereitschaft und langfristiges, nachhaltiges Denken nachgesagt. Diesen gesellschaftlichen Anforderungen müssen sich Manager genauso stellen. Oft haben alte Familienunternehmen eine große Standortverbundenheit, so wie ich zu Schleswig-Holstein und Westfalen.

Eine frühzeitig geregelte Unternehmensnachfolge wird immer mehr zu einem großen Thema in vielen Betrieben. Sie haben fünf Kinder – wird eines von ihnen einmal Ihr Nachfolger in der Holding werden? 

Meine Kinder können selber entscheiden, welchen Weg sie in ihrem Leben gehen möchten. Als nachfolgende Generation sind sie an meinem Unternehmen beteiligt und bekommen einen Einblick in die Geschäftswelt durch Praktika, die sie im Ausland in unseren Unternehmen absolvieren. Ob eines meiner Kinder meine aktive Rolle in der Führung der Gruppe übernehmen will, ist offen.

Ein Unternehmen hat nicht nur Verantwortung gegenüber den Eigentümern, sondern auch gegenüber Mitarbeitern und deren Familien – wie kann man dem gerecht werden? 

Der Unternehmensführung muss klar sein, dass es für das Gesamtkapital des Unternehmens einstehen muss. Ich habe mich in meinem Leben sehr an dem ausgerichtet, was das Gesamtkapital eigentlich ist: die Addition von Eigen- und Fremdkapital. Ich sehe mich als Treuhänder für Fremdkapitalgeber also auch für die Banken. Seit 43 Jahren bin ich, in der vierten Generation, verantwortlich dafür, dass ich möglichst viele Arbeitsplätze in Deutschland erhalte und damit zur Wertschöpfung in wirtschaftlichen, sozialen und kulturellen Bereichen beitrage.