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25.01.2012

Für die HSH Nordbank war 2011 ein äußerst bewegtes und wichtiges Jahr. Die Bank hat in den zurückliegenden Monaten nicht nur die großen Herausforderungen bewältigt, die die Märkte an sie gestellt haben. Sie hat gleichzeitig auch wesentliche Schritte auf ihrem Weg in eine erfolgreiche Zukunft gemacht.

Dr. Paul Lerbinger, Vorstandsvorsitzender der HSH Nordbank

Dr. Paul Lerbinger, Vorstandsvorsitzender der HSH Nordbank

Die HSH Nordbank ist künftig nur noch knapp halb so groß wie vor ein paar Jahren. Hat die Bank überhaupt noch eine Zukunft?

Daran gab es nie einen Zweifel. Gerade der jüngste Stresstest der Europäischen Bankenaufsichtsbehörde (EBA) hat vielen Banken erhebliche Verbesserungen ihrer Eigenkapitalstrukturen auferlegt. Das zwingt nicht wenige dazu, ihre Bilanzsummen zu verkleinern. Für Neugeschäft ist da nicht mehr viel Luft. Der HSH Nordbank wurde, im Gegensatz zu vielen anderen Banken, bei allen Tests der EBA eine ausreichende Kapitalausstattung attestiert. Wir haben die Phase der Restrukturierung unserer Bilanz bereits hinter uns. Das ist heute ein Wettbewerbsvorteil – wir stehen für den Markt und unsere Kunden mit Finanzierungen bereit, während andere sich gerade zurückziehen.

Sie müssen die Bank auf Geheiß der EU-Kommission auch noch weiter verkleinern. 

Bestandteile, die nach den Vorgaben der EU-Kommission abgebaut werden sollen, kommen in unsere Restructuring Unit. In der zukunftsgerichteten Kernbank liegt die Bilanzsumme bereits heute unter dem Zielwert der EU-Kommission. Damit haben wir in der Kernbank auf mittlere bis lange Sicht Spielraum. Zudem sind die Beschränkungen der EU-Kommission bis Ende 2014 begrenzt.

Wie will sich die HSH Nordbank am Markt behaupten?

Wir werden auch nach unserer Verkleinerung eine mittelgroße Bank mit starker Verankerung in der Region sein, die sowohl national als auch international aktiv ist. Die Mehrheit unserer Kunden sind Unternehmen ab etwa 50 Millionen Euro Umsatz. Wir positionieren uns mit unseren Zielkunden somit genau in der Nische zwischen den Sparkassen und den Großbanken. Wir werden die HSH Nordbank nachhaltig zukunfts- und wettbewerbsfähig machen. Dafür haben wir ein überzeugendes Geschäftsmodell entwickelt, das wir nun Schritt für Schritt umsetzen werden – die Bank für Unternehmer.

Das klingt sehr markig, aber ist das nicht der Versuch, alten Wein in neuen Schläuchen zu verkaufen?

Nein, wir erfinden uns regelrecht neu und stellen uns neu auf. Im Kern geht es darum, eine weitaus besser fokussierte, mittelständisch orientierte und strukturierte sowie vertriebsstarke Bank zu schaffen. Die HSH Nordbank wird sich aus der Heimatregion heraus auf ihre Rolle als bevorzugter Partner sowohl für Unternehmen als auch für Unternehmensinhaber konzentrieren. Im Mittelpunkt stehen dabei insbesondere inhabergeführte Unternehmen des gehobenen Mittelstands, die die Bank privat oder geschäftlich in allen finanziellen Belangen begleiten wird.

Was bedeutet das konkret?

Als Bank für Unternehmer denken und handeln wir wie unser mittelständisches Klientel. Im Klartext: kurze Wege, schnelle Entscheidungen, schlanke Strukturen und Prozesse sowie eine Kommunikation auf Augenhöhe. Mit unserer neuen Geschäftsarchitektur und der Trennung von Produkt- und Kundenverantwortung haben wir wesentliche Voraussetzungen dafür bereits geschaffen. Die HSH Nordbank sieht ihre Kunden ganzheitlich. Bei uns hat jeder Kunde zukünftig nur noch einen zentralen Ansprechpartner, der ihn individuell und bedarfsgerecht über das gesamte Produktportfolio rund um das „Ankerprodukt“ Kredit berät. 

Und das wäre?

Zu dieser deutlich umfassender und integrierter angelegten Betreuung gehören unter anderem das Cash Management, strukturierte Finanzierungen, M&A-Beratungsangebote, Absicherungsgeschäfte sowie Anlageprodukte.

Ist die Bank für diese Neuausrichtung gerüstet?

Wir besitzen eine langjährige, ausgewiesene fachliche Expertise und ein ausgeprägtes Kundenverständnis. Zudem haben wir bereits die ersten operativen Erfolge erzielt. Darauf bauen wir auf. Die neue HSH Nordbank nimmt zunehmend Gestalt an. Mit der Entscheidung der EU-Kommission aus dem vergangenen September und der damit erreichten Rechts- und Planungssicherheit im Rücken setzen wir unser Konzept nun mit Nachdruck um.

Die Entscheidung der EU-Kommission beinhaltet aber auch klare Beschränkungen. – Welche Geschäfte werden Sie zukünftig nicht mehr tätigen?

In der Zukunft werden wir keine objektbezogenen Flugzeugfinanzierungen mehr anbieten, uns aus dem internationalen Immobiliengeschäft zurückziehen und bei der Schiffsfinanzierung noch kleinere Teile unseres Portfolios abbauen. Auch finanzieren wir zukünftig keine Kreuzfahrer und RoRo-Schiffe mehr. 

Was bleibt Ihnen dann noch?

Eine ganze Menge. Ganz oben steht das Ziel, unsere Marktposition im eben bereits beschriebenen Sinne als Bank für Unternehmer auszubauen. Im Firmenkunden- sowie im Immobiliengeschäft stehen darüber hinaus bisherige sowie neue Kunden in den attraktiven deutschen Metropolregionen wie Berlin, Düsseldorf, Frankfurt, Stuttgart und München auf unserer Agenda. In den Bereichen Energy & Infrastructure sowie Shipping wird die HSH Nordbank weiterhin national wie international aktiv sein. Insbesondere im Bereich Shipping strebt die Bank auch in der Zukunft eine führende Position im Wettbewerb an. 

Wie sehen Sie die gesellschaftliche Rolle der Bank, speziell in ihrer Heimatregion?

Als Partner des gehobenen Mittelstands in allen geschäftlichen und privaten finanziellen Belangen stärken wir unmittelbar das Rückgrat der realen Wirtschaft besonders in unserer Heimatregion. Fester und wichtiger Bestandteil der regionalen Wirtschaft sind wir aber auch, weil wir beispielsweise weiterhin als verlässlicher Partner des Sparkassenverbunds agieren und wie gewohnt Stiftungen professionell betreuen. Wir setzen da an, wo die Sparkassen aufhören.